Sarkozy in Berlin : Für Frankreich ist die deutsch-französische Freundschaft
heilig

Sarkozy in Berlin : Für Frankreich ist die
deutsch-französische Freundschaft heilig
Nur wenige Stunden nach
der Amtsübernahme in Paris hat sich Nicolas Sarkozy auf
den Weg nach Berlin gemacht. Ein Zeichen, wie wichtig auch ihm
die deutsch-französischen Beziehungen sind. Ein Thema des
Vier-Augen-Gesprächs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Auch Merkel hatte ihre erste Auslandsreise als Bundeskanzlerin
nach Frankreich geführt. Bereits am 23. November 2005, einen Tag
nach ihrer Vereidigung durch den Bundespräsidenten, traf sie den
damaligen Präsidenten Jacques Chirac in Paris. Quellen:
Bundeskanzleramt,
Berlin, und
Palais de l'Élysée,
Paris. Berlin, den 16.05.2007.

Bundeskanzlerin Angela
Merkel und Staatspräsident Nicolas Sarkozy
Herr Präsident, lieber Nicolas, es ist mir eine ganz
besondere Freude, dass wir uns heute, am Abend des ersten Tages hier in Berlin
treffen können. Ich glaube, es ist ein Zeichen für die großartige
deutsch-französische Freundschaft, auf der wir aufbauen können, die wir
fortsetzen wollen und die, wenn man sich die Geschichte der letzten Jahrzehnte
anschaut, ein Wunder ist - ein Wunder, das die Menschen unserer Länder
zusammengebracht hat. Dies heute hier ist ein Zeichen. Deshalb ein
herzliches Willkommen im Bundeskanzleramt hier in Berlin.
Ich möchte mit dem neuen Präsidenten, mit Nicolas Sarkozy,
die deutsch-französische Zusammenarbeit fortsetzen, intensivieren und im Geiste
unserer beiden Länder, aber auch der Europäischen Union voranbringen.
Es wird in unserer Arbeit immer darum gehen, Frieden und Freiheit in Europa zu
erhalten, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Welt friedlicher,
freiheitlicher wird, dass Demokratie und Wohlstand für unsere beiden Völker, für
Europa, für möglichst viele Menschen in der Welt möglich sind.
Wir werden heute schon arbeiten, weil wir eine Menge Aufgaben haben und uns
damit befassen, dass vor uns in Europa - das sage ich als deutsche
Ratspräsidentschaft - beim Juni-Rat große Herausforderungen stehen. Wir haben
anlässlich des 50. Jahrestages der Römischen Verträge gesagt, dass wir bis zu
den Wahlen zum Europäischen Parlament 2009 die Europäische Union auf eine neue
vertragliche Grundlage stellen wollen, um den Menschen auch sagen zu können: Wie
geht es weiter? Ich gehe davon aus und bin mir ganz sicher, dass wir das in
einer sehr engen Abstimmung miteinander tun und dabei auch bestimmte
Leitprinzipien gelten lassen werden, sodass uns der Juni-Rat schon einen Schritt
voranbringt. Darüber werden wir heute erste Gespräche führen.
Wir werden heute auch darüber reden können, welche Herausforderungen morgen,
beim EU-Russland Gipfel, anstehen, und werden uns natürlich auch über andere
internationale Fragen austauschen.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um noch einmal ganz besonders für die Geste
des Besuchs heute Abend hier in Berlin zu danken, die deutlich macht:
Deutschland und Frankreich brauchen einander, aber Deutschland und Frankreich
verbindet auch eine intensive Freundschaft.
Da wir uns schon ein bisschen kennen, bin ich ganz sicher, dass unsere
Zusammenarbeit gut sein und den Menschen unserer Länder Fortschritte bringen
wird. Herzlich willkommen in Berlin!

Es ist mir sehr daran gelegen gewesen, an diesem Tag, an dem
ich offiziell mein Amt als französischer Staatspräsident übernehme, die deutsche
Regierung, das deutsche Volk im Namen des französischen Volkes zu begrüßen.
Diese Geste ist zunächst einmal eine Geste der Freundschaft.
Meine Anwesenheit heute Abend in Berlin hat natürlich auch
eine politische Bedeutung. Damit, dass ich unmittelbar nach Einführung in das
Amt hierher gekommen bin, habe ich nicht nur eine symbolische Geste vollziehen
wollen. Ich wollte damit auch zum Ausdruck bringen, dass es mein Wunsch ist,
dass wir uns sofort an die Arbeit machen; denn es ist wirklich Eile geboten.
Ganz dringend ist geboten, dass die Europäische Union jetzt
aus ihrer augenblicklichen Lähmung heraustritt. Es ist deshalb notwendig, dass
Deutschland, das derzeit den Ratsvorsitz in der Europäischen Union inne hat,
und Frankreich, das immer sein privilegierter Partner in Europa war, sich
verstehen. Deutschland und Frankreich haben gemeinsam einen größeren Einfluss
auf Europa und die Welt, als wenn sie getrennte Wege gehen. Wir müssen also
gemeinsam vorangehen.
Die zweite Notwendigkeit bezieht sich auf die industrielle Zusammenarbeit
zwischen unseren beiden Ländern und natürlich insbesondere auf das, was die
EADS-Problematik und damit im Zusammenhang stehende Fragen anbelangt. Deshalb
war es in meinen Augen notwendig, dass wir keine Zeit verlieren. Das habe ich
heute mit Angela Merkel auch getan, nämlich zu verstehen (gegeben), wie ich
die Politik Frankreichs sehe, dass wir uns hier nicht in eine
Erwartungshaltung begeben, weder in der Innenpolitik, in der Europapolitik
noch in der Außenpolitik.
Ich glaube nicht, dass die Probleme besseren Lösungen
zugeführt werden, wenn man länger wartet, ehe man sich mit ihnen befasst.
Denjenigen, die mir sagen, dass jedes Mal, wenn eine kompliziertere Frage
auftritt, zunächst Warten angesagt ist, um eine Antwort zu finden zu versuchen,
sage ich: Warten? Aber worauf? Dass es noch schlimmer wird? Dass es noch
schwieriger wird? Dass unsere Landsleute noch mehr leiden? Zu lange zu warten
heißt, das Risiko einzugehen, dass die Dinge noch komplizierter werden. Wenn man
zu lange wartet, besteht das Risiko, dass es zu spät ist.
Die deutsch-französischen Beziehungen und die Themen, zu denen wir uns in
Deutschland und Frankreich an einen Tisch setzen müssen, sind so wichtig, dass
Abwarten, Nichtstun, Auf-der-Stelle-Treten keine Lösung sein kann. Nach dieser
ersten Tour d'horizon bin ich sicher, dass, wenn wir - Angela Merkel und ich -
uns an die Arbeit setzen, zu Ergebnissen gelangen werden. Das ist zumindest mein
herzlicher Wunsch. Ich bin fest davon überzeugt, dass die deutsche Regierung
dies ebenfalls wünscht nach der Periode der Unsicherheit, die immer mit einem
Wahlkampf einhergeht, denn dadurch wurde diese Verzögerung, die wir uns
eingehandelt haben, nur noch größer.
Liebe Angela, ich setze großes Vertrauen in dich. Ich
empfinde tiefe Freundschaft für dich, und ich bin mir der Verantwortung
absolut bewusst, die wir beide zu tragen haben, um dem zu entsprechen, was von
unseren Vorgängern zwischen Deutschland und Frankreich aufgebaut worden ist.
Europa wartet darauf, dass wir die Initiative ergreifen. Ich bin als Europäer
hierher gekommen, als Freund hierher gekommen in dem vollen Bewusstsein, dass
wir Ergebnisse brauchen und dass wir keine Zeit mehr haben.
Ich danke dir, dass du mich heute Abend hierher eingeladen
hast.
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