Éditoriaux Défense Sécurité Terrorisme Zones de conflits Logistique Livres de référence Liens
Terre Air Mer Gendarmerie Renseignement Infoguerre Cyber Recherche

Polizeicomputer - das programmierte Chaos

Polizeicomputer - das programmierte Chaos

Richard Benda * - Wien, Januar 1999.

Wer beim Chemieunterricht aufgepasst hat, der wird wissen, daß es Stoffe gibt, die sich nicht verbinden lassen. Dass das gleiche Phänomen auch bei der Exekutive auftritt, wird möglicherweise weniger bekannt sein. Computer und Polizei sind anscheinend zwei derartige Stoffe, die sich nicht verbinden lassen. Die Geschichte der Computerisierung der Polizeiarbeit ist auch die Geschichte der Unvereinbarkeit. Bei keinem anderen Arbeitsbereich wurde derart herumgepfuscht, falsch investiert, verworfen und aufgegeben. Es ist dies kein spezifisch österreichisches Phänomen, sondern ein allgemeines.

Unser Redaktionskommisionsmitglied Richard Benda machte eine Bestandesaufnahme des Computerchaoses bei der Polizei.

Als 1995 in einer österreichischen Exekutivzeitschrift mein Artikel zu dieser Thematik erschien, gab es bei den zitierten Stellen keine Reaktion. Was sollte man auch dementieren. Das von der österreichischen Polizei verwendete Computerprogramm namens "BAKS" war eine glatte Fehlinvestition. Das Softwareprogramm UNIPLEX war ein Relikt aus Computerurzeiten, die hochgestochenen Ziele vom angepeilten elektronischen Akt waren unerreichbar, e-Mails nur im gleichen Cluster möglich, die versprochene behördeninterne Kommunikation via Intranet ein Wunschdenken. Dass die Verträge eher einem Firmensponsoring glichen, sei nur deshalb am Rande erwähnt, weil die angepeilte billige Lösung sich als teuer erwies. Der Verantwortliche ist zwischenzeitlich in Pension und es ist besser, ihn der Vergessenheit anheim fallen zu lassen. Jedenfalls steht er nicht alleine auf weiter Flur, denn eigentlich hat er nur jene Fehler gemacht, die Männer in seiner Position auch anderswo gemacht haben. Als ab den 70er Jahren die Polizei-einheiten in Westeuropa mit Computern ausgestattet wurden, hingen die meisten von ihnen noch immer der Philosophie des gigantischen Zentralrechners an, denn sie hatten schlichtweg die seit 1968 im Aufbau begriffene Netzwerkphilosophie verschlafen. Das war aber nur einer der Gründe, warum in so vielen Städten und Ländern der Weg ins Datenzeitalter mit einer Stolperstufe begann. Die Gründe des Versagens waren vielschichtiger und sind heute klar erkennbar. Bedenklich ist nur, dass nicht alle, die selbst an Polizeicomputern herumbasteln, diese Fehler der Vergangenheit erkennen oder wahrhaben wollen.

Polizisten als Computerspezialisten

Vorerst glauben Polizeibehörden, aus Sparsamkeitsgründen grundsätzlich auf Fremdfirmen verzichten zu müssen. "Es sind ja genug Fachleute im eigenen Bereich vorhanden und ausserdem wissen doch Privatfirmen nicht, was die Polizei wirklich braucht." Gedankengänge, die bisher in allen Behörden nicht zu weniger, sondern zu Mehrausgaben geführt haben. Mehrausgaben, die vermeidbar gewesen wären, hätte man von Anfang an wirkliche Fachleute und nicht halbausgebildete eigene Kräfte eingesetzt.

Ein Musterbeispiel ist hier die Hamburger Polizei. COMVOR (Computergestützte Vorgangsbearbeitung) versprach, die wunderbare Welt der Datenverarbeitung in das letzte Polizeirevier zu bringen. Wie üblich wurde mit Pomp und Trara angekündigt, dass dieses System doch das modernste seiner Art sei. Mit COMVOR könnte sich die Polizei wieder der Verbrecherjagd widmen, denn mit Knopfdruck wären alle Ermittlungsdaten abrufbar und husch, husch, auch schon beim Staatsanwalt. Das war 1989. Heute schreibt "Der Spiegel" von einer "Investitionsruine" und man fängt wieder bei der Stunde Null an. Was war geschehen? Die Planer hielten die polizeilichen Anforderungen für derart speziell, dass nur umgeschulte Polizeibeamte das System entwerfen könnten. Selbst der Chef kam nicht aus der Branche, sondern war gelernter Volkswirt. Als es nach einiger Zeit nicht lief wie es sein sollte, nahm man eine Beraterfirma. Es folgten 10 Jahre und mehr als 30 Firmen, die an den Gegebenheiten verzweifelten. Das Ende ist bekannt.

Computerträume

Ein weiterer grosser Fehler, der scheinbar epidemisch ist, wird in der Machbarkeit vermutet. Statt das Machbare in kurzer Zeit zu realisieren, plant man das Unmögliche für die ferne Zukunft. Anstatt das Machbare umzusetzen, verliert man sich im Wünschenswerten. In der heutigen schnellebigen Zeit sind Planungen für Jahrzehnte Unsinn, denn niemand kann die technische Entwicklung auf diesem Gebiet solange vorhersehen. Computerfachleute der Privatwirtschaft schaffen Lösungen, die in ein bis zwei Jahren anwendbar sind. Polizeibehörden planen grundsätzlich für Jahrzehnte. Musterbeispiel ist hier wieder das österreichische BAKS II-System. Was bei seiner Inbetriebnahme im Jahr 1992 vorgegaukelt wurde, war eine Wunschvorstellung ohne reale Verwirklichungschance. Bis zu seinem Auslaufen im Jahre 2000 wird es nicht mehr als eine bessere Textverarbeitungsschreibmaschine bleiben. Die Zielflagge hat BAKS II nie erreicht, die Entwicklung hat es überrundet.

Formularunsinn

"Was wäre die Polizei ohne Formulare". Dieser Satz scheint ein Kredo beim Entwerfen von Softwareprogrammen zu sein. Häufig nimmt mit Formularen das Verhängnis seinen Lauf. Jeder, der nur irgend etwas zu sagen hat, muss, um sein Prestige zu wahren, zumindest ein Formular verlangen. Das führt dazu, dass pro Behörde zirka. 200 - 400 Formulare entworfen werden. Hunderte dieser Formulare lagern in den Speichern diverser Polizeicomputer, die meisten davon verbrauchen nur Speicherkapazität, denn sie sind entweder unbrauchbar oder niemand braucht sie wirklich.

Es ist vielleicht unfair, wieder Österreich als Beispiel zu verwenden, denn soweit die Recherchen ergeben haben, ist dies kein auf Österreich beschränktes Problem. Eigentlich verantwortlich mit der Erstellung von Formularen ist das Innenministerium, genauer gesagt die Abteilung 11/3 (Unterabteilung Programmerstellung). Da die Programmierer dieser Stelle aber völlig mit anderen Aufgaben ausgelastet sind, führt das Formularwesen ein stiefkindliches Dasein. Einige wenige Sorten verliessen das hohe Haus des Innenministeriums. In die Bresche sprangen die Unterbehörden - Bastelstunde war angesagt.

Jede Behörde nützte ihre EDV-Einheit auch für die Erstellung von Formularen. Und so kam es, dass zwischen Boden- und Neusiedlersee Dutzende brave Polizisten der EDV-Abteilungen die gleichen Formulare entwarfen. Na ja, wenigstens die werden doch verwendet werden, sollte man denken. Weit gefehlt. Viele der angebotenen Formulare sind schlichtweg realitätsfremd und ihre Ausfüllung kostet mehr Zeit als die Arbeit ohne. Dass die Mehrheit auch nur mit Gebrauchsanweisung auffindbar ist, hebt den Beamtenfrust. Die Folge ist, dass hunderte Beamten ihre eigenen Formulare über das Schreibprogramm Word entwerfen und die behördenseitig angebotenen in den Tiefen der Festplatten ruhen lassen. Mit dem eigenen Formular geht's eben schneller, aber Tausende Mann-Stunden sind für die Katz. Hamburg hat übrigens das gleiche Problem. Auf 245 Eingabemasken finden sich diverse Formulare. Bis zu 80 Mal, so haben die Beamten gezählt, müssen sie diverse Masken anklicken bis der Vorgang erfasst ist.

Softwareprobleme

Endlich ein Problem, von dem Österreichs Polizisten, zumindest am Computer nicht betroffen sind. BAKS II ist "nur" Computersteinzeit und BAKS III ist erst in Graz und Wien-Liesing im Einsatz. Das Windows-NT Softwareprogramm auf BAKS III ist ausgereift und wird, soweit die ersten Erfahrungen zeigen, auch im Polizeialltag keine grösseren Probleme bereiten. Nehmen wir daher Berlin als Beispiel für Softwareprobleme: 170 Millionen Mark hat das Wundersystem POLIKS gekostet. Mit tragbaren Computern können die Beamten vor Ort jedes Detail der Amtshandlung eingeben. Eingeben können sie, ob es auch gespeichert wird ist eine andere Sache. Verarbeitet werden die Eingaben über das System DIBA, das hat sich aber als "Datenvernichtungsprogramm" einen Namen gemacht. Bei "Abspeichern" verschwinden die Daten, bei "Ausdruck" wird der Bildschirm dunkel und wer dann in seiner Not "Daten retten" aufruft, setzt den ganzen Inhalt der Festplatte aufs Spiel: Bingo.

Das kleine Saarland hat zwar ein anderes System, aber nicht weniger Probleme mit dem Netz. Seit 1992 wird dort an der Software DIPOL gearbeitet. Ein Wunder der Polizeitechnik sollte es werden. 800 Beschwerden der darauf arbeitenden Beamten wurden bisher aufgelistet. Immer wieder stürzen Rechner ab, immer wieder quellen Unmengen Papier aus dem Drukker.

Es geht auch anders

Dass die Mischung Polizei - Computer doch möglich ist, zeigen zwei Beispiele. Als die Polizei in Sachsen-Anhalt in das Computerzeitalter einsteigen wollte, sah man sich zuerst im eigenen Land um. Das Hamburger System COMVOR schien den Entscheidungsträgern vorerst tauglich, doch schon vor der Erprobung zog man Leine. Die Hamburger Probleme wollte man nicht importieren. Man gab den Auftrag schlicht und einfach an eine Privatfirma. Siehe da, obwohl (oder vielleicht "weil") keine Polizeibeamten herumfuhrwerkten, stand binnen 5 Monaten die erste Stufe des Programms im Netz. Kosten: 4 Millionen Mark. Das hatte Hamburg auch für sein nicht funktionierendes COMVOR ausgegeben.

Das zweite Musterbeispiel kommt aus der Schweiz. 1994 hatte die Polizei des Schweizer Kantons Bern die Softwarefima Rola beauftragt, ein Softwareprogramm für sie zu erstellen. Die Vorgaben waren ähnlich jenen des COMVOR in Hamburg. Das Programm hat zwar nicht die angepeilten Feinheiten des COMVOR; dafür funktioniert es aber. Elf weitere Kantone haben das System zwischenzeitlich auch übernommen.

Ob die Geburtswehen der Polizeicomputer nun beendet sind, lässt sich nicht voraussagen. Die Polizeieinheiten der ehemaligen Oststaaten steigen erst in das Computerzeitalter ein. Wie es scheint, wird das Lehrgeld des Westens im Osten noch einmal bezahlt.

Richard Benda *

Kriminalbeamter und Fachjournalist bekämpft seit 20 Jahren die Kriminalität in Wien. Er istr auch der Author der Bücher "Terror in rot / weiß / rot (Politische Kriminalität in Österreich sowie Mörderisches Wien - Ein Cityguide zu dunklen Seite Wiens. Presdok Verlag, Zürich. Ó Sicherheitspolitik

 

Derniers articles

Verdun 2016 : La légende de la « tranchée des baïonnettes »
Eyes in the Dark: Navy Dive Helmet Display Emerges as Game-Changer
OIR Official: Captured Info Describes ISIL Operations in Manbij
Cyber, Space, Middle East Join Nuclear Triad Topics at Deterrence Meeting
Carter Opens Second DoD Innovation Hub in Boston
Triomphe de St-Cyr : le Vietnam sur les rangs
Dwight D. Eisenhower Conducts First OIR Missions from Arabian Gulf
L’amiral Prazuck prend la manœuvre de la Marine
Airmen Practice Rescuing Downed Pilots in Pacific Thunder 16-2
On ne lutte pas contre les moustiques avec une Kalachnikov...
Enemy Mine: Underwater Drones Hunt Buried Targets, Save Lives
Daesh Publications Are Translated Into Eleven Languages
Opération Chammal : 10 000 heures de vol en opération pour les Mirage 2000 basés en Jordanie
Le Drian : Daech : une réponse à plusieurs niveaux
Carter: Defense Ministers Agree on Next Steps in Counter-ISIL Fight
Carter Convenes Counter-ISIL Coalition Meeting at Andrews
Carter Welcomes France’s Increased Counter-ISIL Support
100-Plus Aircraft Fly in for Exercise Red Flag 16-3
Growlers Soar With B-1s Around Ellsworth AFB
A-10s Deploy to Slovakia for Cross-Border Training
We Don’t Fight Against Mosquitoes With a Kalashnikov
Bug-Hunting Computers to Compete in DARPA Cyber Grand Challenge
Chiefs of US and Chinese Navies Agree on Need for Cooperation
DoD Cyber Strategy Defines How Officials Discern Cyber Incidents from Armed Attacks
Vice Adm. Tighe Takes Charge of Information Warfare, Naval Intelligence
Truman Strike Group Completes Eight-Month Deployment
KC-46 Completes Milestone by Refueling Fighter Jet, Cargo Plane
Air Dominance and the Critical Role of Fifth Generation Fighters
Une nation est une âme
The Challenges of Ungoverned Spaces
Carter Salutes Iraqi Forces, Announces 560 U.S. Troops to Deploy to Iraq
Obama: U.S. Commitment to European Security is Unwavering in Pivotal Time for NATO
International Court to Decide Sovereignty Issue in South China Sea
La SPA 75 est centenaire !
U.S. to Deploy THAAD Missile Battery to South Korea
Maintien en condition des matériels : reprendre l’initiative
La veste « léopard », premier uniforme militaire de camouflage
Océan Indien 2016 : Opérations & Coopération
Truman Transits Strait of Gibraltar
Navy Unveils National Museum of the American Sailor
New Navy, Old Tar
Marcel Dassault parrain de la nouvelle promotion d’officiers de l’École de l’Air
RIMPAC 2016 : Ravitaillement à la mer pour le Prairial avant l’arrivée à Hawaii
Bataille de la Somme, l’oubliée
U.S., Iceland Sign Security Cooperation Agreement
Cléopatra : la frégate Jean Bart entre dans l’histoire du BPC Gamal Abdel Nasser
Surveiller l’espace maritime français aussi par satellite
America's Navy-Marine Corps Team Fuse for RIMPAC 2016
Stratégie France : Plaidoyer pour une véritable coopération franco-allemande
La lumière du Droit rayonne au bout du chemin





Directeur de la publication : Joël-François Dumont
Comité de rédaction : Jacques de Lestapis, Hugues Dumont, François de Vries (Bruxelles), Hans-Ulrich Helfer (Suisse), Michael Hellerforth (Allemagne).
Comité militaire : VAE Guy Labouérie (†), GAA François Mermet (2S), CF Patrice Théry (Asie).

Contact