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Terrorismus-Gefahren der Zukunft: Mediengesellschaft fordert spektakuläre Anschläge

Terrorismus-Gefahren der Zukunft: Mediengesellschaft fordert spektakuläre Anschläge

Die Entwicklung des Terrorismus bis hin zur jüngsten Anschlagserie in den USA zeigt, dass die Eskalation in Form und Auswirkungen der Taten fortschreitet. Selbst wenn es gelingt, die Drahtzieher der Attentate auf das World Trade Center (WTC) und das Pentagon zu finden und zu bestrafen, wird die Welt weiterhin erheblichen Gefahren ausgesetzt sein, direkten durch die Angriffe, indirekten durch deren Folgen für die Wirtschaft. Veröffentlicht bei WIK, Zeitschrift für die Sicherheit der Wirtschaft, am 23. September 2001.

Von Joël-François Dumont de Vries, Paris (*)

Der Präsident des anerkannten Instituts Forecasting International Ltd. in Arlington (USA), Marvin J. Cetron, hatte schon 1994 befürchtet, dass „die kommenden 15 Jahre das Zeitalter des Superterrorismus" werden. Seine These, dass der Terrorismus künftig wahrscheinlich nicht von politisch-ideologischen Motiven geleitet sein würde, sondern vielmehr auf ausgeprägtem ethnischen und religiösen Hass fußen würde, dass das terroristische Ziel nicht länger politische Kontrolle, sondern die völlige Zerstörung der von den Terroristen gewählten Feinde würde, scheint inzwischen eingetreten zu sein.

Eine wichtige Rolle spielt für den internationalen Terrorismus die moderne Informationsgesellschaft. Terrorismus kann nur dann seinen Zielen näher kommen, wenn er wahrgenommen wird, weltweit fast zeitgleich. Gerade der Anschlag in den USA mit den ständig wiederkehrenden Fernsehbildern der in das WTC in New York hineinfliegenden Passagier-Flugzeuge ist ein Beleg dafür, dass die Mediengesellschaft auch im Interesse der Täter funktioniert. Gerade nach New York steht zu befürchten, dass die terroristische Wahl des Anschlagszieles und der einzusetzenden Mittel sich mehr und mehr daran orientieren wird, wie spektakulär die Aktion ausfallen wird. Die Mediengesellschaft erzwingt dabei immer spektakulärere Taten mit immer mehr Opfern.

  • Die künftige Gefahr

Heute ist es für Terroristen, gleichgültig aus welchem Milieu, leichter denn je, sich sogar mit Kriegswaffen wie den FIM92A Stinger, SA-7 Grail (beides aus sowjetischen Beständen stammende tragbare, infrarot-gelenkte Boden-Luft-Raketen) oder RPG-7 (mit Raketen angetriebene Granaten aus sowjetischen, chinesischen oder nordkoreanischen Beständen) auszurüsten. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bereitet auch die bis heute nachlässige Bewachung biologischer, chemischer und sogar taktischer Nuklear-Waffen größte Sorgen. Dazu kommen ehemalige staatliche Labors, Forschungs- und Fertigungseinrichtungen, in denen die nach wie vor sehr schlechte wirtschaftliche und soziale Lage Angestellte immer wieder in Versuchung führt, waffenfähiges Material zu stehlen und in dunkle Kanäle zu verkaufen. Berücksichtigen muss man auch, wie leicht es ist, aus für die Landwirtschaft bestimmten Chemikalien Supergifte für terroristische Anschläge zu produzieren.

Mindestens 25 Staaten sind heute im Besitz von NRBC (nuklearen, radiologischen, biologischen, chemischen) Massenvernichtungswaffen, oder auf dem Weg sie zu erwerben, darunter fast alle, die vom U.S. State Department in seinem jährlichen Bericht zur Entwicklung des globalen Terrorismus („Patterns of Global Terrorism") als Unterstützer des internationalen Terrorismus angesehen werden: Iran, Irak, Kuba, Libyen, Nordkorea und Syrien. Die Gefahr, dass NRBC-Waffen in die Hände auch von fanatischen Terroristen fallen, ist also gegeben. Es sollte zu denken geben, dass die arabischen Terrorgruppierungen Hezbollah und Hamas sich bewiesenermaßen Komponenten für chemische und biologische Waffen beschaffen konnten, oder dass in München, im September 1998, Mamdouh Mahmud Salim, einer der Offiziere Usama Bin Ladens, bei dem Versuch, angereichertes Uranium zu kaufen, verhaftet wurde. Erste Anzeichen, dafür, dass Terrorgruppen auch solche Waffen einzusetzen gedenken gibt es seit Mitte der 80er Jahre. Schon damals drohten die LTTE (Tamil Tigers aus Sri Lanka), biologische Waffen einzusetzen. Und beim ersten islamistischen Attentat auf das WTC fanden Experten heraus, dass die Terroristen das giftige Zyanid in den benutzten Sprengstoff vermischt hatten. Auch Ermittlungen gegen die Aum Shinrikyo Sekte, die dem Giftgas-Attentat auf die Tokyoter U-Bahn folgten, ergaben Beängstigendes: Die Sekte hatte mindestens zehnmal zuvor erfolglos versucht, biologische Kampfstoffe in Aerosolform in der Atmosphäre zu zerstäuben. Einige Mitglieder der Sekte hatten zudem 1992 im damaligen Zaire versucht, Stämme des Ebola-Virus in ihren Besitz zu bringen.

Sorge bereitet den Experten auch, dass es auch für Terroristen immer leichter wird, NRCB-Waffen ohne eigene Anwesenheit einzusetzen. So standen über Jahre hinweg perfektionierte militärische Drohnen aus der ehemaligen Sowjetunion (Tupolev DBR1 Yastreb, Yakovlev Kolibri, Moskit) ohne große Kontrolle zum Verkauf. In den USA wurden deshalb Szenarien für einen terroristischen Angriff mit diesen Mitteln entwickelt. So zeigte eine Studie des U.S. Office of Technology Assessment, dass es mit Hilfe eines ganz normalen Kleinflugzeugs möglich wäre, bei einem Nord/Süd-Flug über Washington D.C., ohne jegliche Aufmerksamkeit zu erwecken, Anthrax-Sporen zu verbreiten. Bei mäßigem Wind könnte dies zu über eine Million Tote führen. Zum Vergleich: Die Verbreitung von Senfgas in Aerosolform würde „nur" 500 bis 5000 Leben kosten, je nach Windstärke und mit dem Nachteil, sofort sichtbarer Effekte (Übelkeit, Haut- und Augenbrennen, Bewusstlosigkeit).

Zum Problem der Proliferation von NRBC-Waffen kommt hinzu, dass nachrichtendienstliche Informationen heute für viele zugänglich sind. Schon seit Dezember 1997 gibt es beispielsweise mit EarlyBird-I einen kommerziellen Satelliten, dessen Leistungen denen amerikanischer Spionagesatelliten nahe kommen. Die Satellitenphotos sind für jedermann per Internet und Kreditkarte zu Preisen von nur 500 bis 1500 DM pro Stück zu ordern. Dies und die mit der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie verbundenen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung eröffnen natürlich neue Perspektiven für die Planung von terroristischen Attentaten.

  • Die Gefährlichkeit religiöser Fanatiker

Politisch motivierte Terroristen brauchen die Unterstützung eines Teils der Öffentlichkeit: Sie wollen neue Terroristen rekrutieren, brauchen Geld und logistische Unterstützung und wollen schließlich irgendwann die Macht übernehmen. Religiöse Fanatiker oder von Rassenhass geleitete Terroristen sind darauf nicht angewiesen. Ihnen reicht Zerstörung. Sollten dabei Unschuldige verletzt werden oder sterben, erschüttert das ihr Weltbild nicht. Gott wird schon dafür sorgen, dass diesen Opfern im Jenseits Gerechtigkeit zu Teil wird.

Der ethnisch-religiös motivierte Terrorist kann aus seinem Selbstverständnis heraus kaum Rücksichten auf Verluste nehmen, noch nicht einmal auf sich selbst. Er kämpft seiner Überzeugung nach gegen die Vernichtung seines Volkes durch seine Feinde in der Zukunft und für die Rache bereits getöteter Mitkämpfer. Das macht diese Art von Terroristen nahezu unberechenbar.

Ihre Gefährlichkeit wächst über die konkreten Angriffsfolgen hinaus, weil sie mit ihren Taten den Staat ohnmächtig erscheinen lassen und so auch das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierung und die Grundlagen der staatlichen Ordnung erschüttern. Damit einher geht auch eine Variante der psychologischen Kriegführung. Wir sahen es gerade: Der Angriff auf New York hat sich nachhaltig auf die Wirtschaft und auf die Börsen ausgewirkt, nicht nur in den USA, sondern weltweit.

  • Islamistischer Terror

Etwa ein Fünftel der Menschheit gehört heute dem Islam an. Lediglich eine sehr kleine Minderheit unter diesen Menschen muss als extremistisch und gewaltbereit angesehen werden. Feststellen muss man aber dennoch, dass islamische Extremisten an Bedeutung gewinnen, die den Islam gleichsam zu einer politischen Ideologie mit Absolutheitsanspruch, die jedes staatliche Handeln dem islamischen Gesetz, der Shari’a, unterwirft. Ziel ist die Einführung eines Gottesstaates. In den Augen der Islamisten ist dazu im Kampf gegen die Ungläubigen jedes Mittel recht, auch die der politischen und sozialen Revolution, den Djihad (Heiliger Krieg) und Terrorismus jeglicher Form eingeschlossen.

Dieser Djihad ist ein Phänomen der jüngeren Geschichte. Er wurzelt in einer Doktrin, die erst Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde, im so genannten Salafismus. Dieser stellt sich gegen den Modernismus westlicher Prägung, vor allem unter dem Vorwurf der Dekadenz. Liberale islamische Regierungen werden beschuldigt, sich davon angesteckt haben zu lassen und ein gottloses Regime zu führen. Ab 1928 haben die „Moslemischen Bruderschaften" in Ägypten an einem ideologischen Teppich gewoben, zu dem auch die „Islamische Gruppe" im Indien der 40er Jahre Theorien beigetragen hat. Heute haben wir es mit zersplitterten Nachfolgeorganisationen zu tun, die sich vor allem durch immer brutaleres Vorgehen hervortun. Außer dem jüngsten Anschlag auf New York und Washington sind ihnen außerhalb Nahost unter anderem die Anschläge auf das US-Kriegsschiff USS Cole in Yemen (2000), auf die amerikanischen Botschaften in Afrika (1998), auf Touristen in Kairo und Luxor (1997), die Anschläge auf die Pariser S-Bahn (1996) und der erste Anschlag auf das New Yorker WTC (1995) zuzurechnen.

Der Unterschied zwischen den Glaubensrichtungen innerhalb des Islam spielt für den Terrorismus gegen die USA oder die westliche Welt keine Rolle mehr. Bin Ladens Terror-Netzwerk Al Quaida funktioniert in vielen islamischen Staaten, auch wenn er und die Taliban eher sunnitisch und vom wahhabitischen Integrismus geprägt sind. So zählt für den israelischen Sicherheitsdienst heute Saudi Arabien als wichtiger Geldgeber islamischer Terrorgruppen zu den ernstesten Gefahren-Herden für den Frieden. Zu beachten ist aber auch, dass es falsch wäre hinter jeglichem islamistisch motivierten Angriff eine koordinierte Aktion zu vermuten: Die Aktivisten des Islamischen Heiligen Kriegs sind genauso wenig wie die Organisierte Kriminalität ein einheitlicher, zentral gesteuerter Block. Sie werden von ganz verschiedenen Urhebern mit ganz verschiedenen Zielen verübt, von Hamas, Hezbullah vor allem gegen Israel und von Al Quaida vor allem gegen die USA.

Islamische Terroristen arbeiten inzwischen international und rekrutieren Nachwuchs aus einer Vielzahl von Ländern. Das Al Quaida Netzwerk soll beispielsweise in rund 55 Ländern vorhanden sein und inzwischen 4.000 Mitglieder betreuen. Teilweise sind es Aktivisten bekannter radikaler Gruppen, teilweise unauffällige „Schläfer", die erst nach Jahren für einen Auftrag geweckt werden. Genutzt werden alle Strategien und Aktionen, die ihnen westliche oder der pakistanische Geheimdienst während des Kriegs in Afghanistan gegen die Sowjetunion vermittelt haben. Dass die Täter dabei auch in der Lage sind, ihre wahre Einstellung über Jahre vor Unbeteiligten zu verbergen, spricht gegen die These von fanatisierten Religionsanhängern, mehr für professionelle, gut ausgebildete Agenten und Söldner einer mit ad-hoc-Gruppen operierenden Privatarmee mit erheblichen finanziellen Ressourcen.

  • Die Gegenmaßnahmen

Gegen Selbstmordattentäter hilft in der Regel keine Maßnahme am Objekt oder der zu schützenden Person. Ein Täter, der den eigenen Tod beabsichtigt um erfolgreich zu sein, wird sich von keiner persönlichen Bedrohung von der Tat abhalten lassen. Mit polizeilichen und nachrichtendienstlichen Mitteln müssen die Gruppen identifiziert und infiltriert werden. Zusätzlich ist aber auch eine echte Entwicklungshilfe notwendig, denn letztlich können den extremistischen, religiös-politischen Verführern nur Brot und Bildung ihre aktiven Anhänger und ihre passiven Unterstützer weggenommen werden.

(*) Über unseren Autor: Joël-François Dumont de Vries ist Journalist beim französischen Fernsehen und beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Fragen der internationalen Sicherheitspolitik. Seit 1987 ist er Mitglied des Instituts für nationale Verteidigung an der Ecole Militaire in Paris. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der politischen Entwicklung in der islamischen Welt. Kontakt per E-Mail: jf.dumont@wanadoo.fr

 

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