Éditoriaux Défense Sécurité Terrorisme Zones de conflits Logistique Livres de référence Liens
Terre Air Mer Gendarmerie Renseignement Infoguerre Cyber Recherche

Verfassungsschutzbericht 2003

Verfassungsschutzbericht 2003

Bundesinnenminister Otto Schily hat am 17.05.2004 in Berlin gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, den Verfassungsschutzbericht 2003 vorgestellt. Der Schutz von Demokratie und Verfassung ist fester Bestandteil unseres rechtsstaatlichen Systems. Die Bedrohung der Inneren Sicherheit durch extremistische und terroristische Bestrebungen erfordert höchste Aufmerksamkeit von Staat und Gesellschaft. Die Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus hat für die Bundesregierung nach wie vor höchste Priorität. Jegliche Formen von Extremismus und Gewalt müssen durch entschlossenes, aber gleichzeitig auch besonnenes Handeln des Rechtsstaats bekämpft werden. Die Innere Sicherheit Deutschlands unterlag auch 2003 einer nachhaltigen Bedrohung durch extremistische und terroristische Ausländergruppierungen. Im Mittelpunkt steht dabei unverändert der islamistische Terrorismus und Extremismus. Die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus ist weiterhin sehr groß, auch wenn das Terror-Netzwerk durch nationale wie internationale Ermittlungserfolge und gemeinsames internationales Vorgehen der Sicherheitsbehörden empfindlich geschwächt werden konnte. Der Verfassungsschutzbericht 2003 ist eine gute Quelle, um sich über den Umfang verfassungsfeindlicher Entwicklungen sowie über Ziele und Aktivitäten von wesentlichen Organisationen und Gruppierungen zu informieren. (277 Seiten, Stand: Mai 2004). Quellen: Bundesverfassungschutz und BMI Internetredaktion.  Berlin, den 18. Mai 2004.

Der Bundesverfassungsschutzbericht 2003

Ergebnisse des Berichts im Einzelnen:

  • Sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern

Die Innere Sicherheit Deutschlands unterlag auch 2003 einer nachhaltigen Bedrohung durch extremistische und terroristische Ausländergruppierungen.

Im Mittelpunkt steht dabei unverändert der islamistische Terrorismus und Extremismus. Militante Islamisten verstehen den "Jihad" gegen die vom "wahren Glauben Abgefallenen" sowie gegen "Ungläubige" als muslimische Pflicht. Dieser "Jihad" diene der Verteidigung und Ausbreitung des Islam. Aus Sicht der militanten Islamisten kann diese Auseinandersetzung erst dann ein Ende finden, wenn der in ihrem Sinn verstandene Islam weltweit als herrschende Religion und Staatsmacht etabliert ist.

Träger dieses "Jihad" sind die "Mujahedin" ("Heilige Krieger"), Personen mit Kampferfahrung in Krisengebieten. Aufgrund persönlicher Kontakte in einschlägigen nah- und mittelöstlichen Ausbildungslagern bilden sie kontinentübergreifende, weltweit aktionsfähige Netzwerke.

Die von Usama Bin Laden gegründete "Al-Qaida" einschließlich der mit ihr kooperierenden Netzwerke sind die bekanntesten Strukturen. Ihr Feindbild sind die USA und deren Verbündete als Sinnbild für "Dekadenz" und "Unmoral".

Die Sicherheitsbehörden haben 2003 - weltweit und auch in Deutschland - den hohen Fahndungsdruck auf diese Strukturen aufrechterhalten. Eine Anzahl ranghoher "Al-Qaida"-Führer konnte verhaftet werden.

Andererseits zeigen die Anschläge in

- Riad (12. Mai und 08. November 2003)
- Casablanca (16. Mai 2003)
- Jakarta (5. August 2003)
- Istanbul (15. und 20. November 2003) und
- Madrid (11. März 2004),
dass auch künftig kaum zu schützende "weiche" Ziele im Visier islamistischer Täter bleiben.

Die zunehmenden Aktivitäten von "Mujahedin"-Gruppen im Irak deuten darauf hin, dass sich der Kampf gegen die US-Truppen zum Kristallisationspunkt eines "Jihad" entwickeln könnte mit dem Ziel, nicht nur die militärische Präsenz der USA im Irak, sondern im ganzen Nahen und Mittleren Osten zu beenden.

Für Deutschland kann trotz hohen Fahndungsdrucks und Erfolgen der Sicherheitsbehörden keine Entwarnung gegeben werden. Zahlreiche Festnahmen islamistischer Gewalttäter in Westeuropa, auch in Deutschland, verdeutlichen vielmehr den Grad der Präsenz und der Vernetzung von Strukturen "arabischer Mujahedin". In Deutschland ist weiterhin von einem - nicht konkret zu beziffernden - Potenzial "arabischer Mujahedin" mit internationalen Verbindungen auszugehen. Deutschland kommt nicht nur als Vorbereitungsraum für Anschläge andernorts in Betracht. Auch Einrichtungen in der Bundesrepublik könnten Ziel von Anschlägen werden, da Deutschland in den Augen von Islamisten zum Lager der so genannten Kreuzzügler, zu den Helfern der USA und Israels, zählt und sich zudem in Afghanistan engagiert.

Neben diesen gravierenden Formen des Terrorismus dürfen jene Gefahren nicht unterschätzt werden, die von islamistischen Organisationen ausgehen, die in Deutschland gewaltfrei agieren.

Zum Teil zielen diese Gruppierungen auf eine gewaltsame Veränderung in ihren Herkunftsstaaten. Hierbei gehen sie - wie "Hizb Allah" und "Hamas" gegen den Staat Israel - auch mit terroristischen Mitteln vor.

Der pan-islamischen Bewegung "Hizb ut-Tahrir" hat der Bundesinnenminister am 15. Januar 2003 wegen ihrer antisemitischen und antiwestlichen Agitation, die sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung richtet, jede Betätigung in Deutschland verboten.

Gegen Nachfolgeaktivitäten des 2001 verbotenen "Kalifatsstaats" sind die Sicherheitsbehörden auch 2003 mit Entschiedenheit vorgegangen.

Die schleichende Indoktrinierung von Muslimen mit islamistischer Ideologie kollidiert mit den Maßstäben der Verfassungsordnung. Solche Entwicklungen vollziehen sich vielfach im Verborgenen. Sie müssen auch mit den Instrumentarien des nachrichtendienstlichen Verfassungsschutzes aufgedeckt werden.

Die bei weitem größte islamistische Organisation ist unverändert die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs" (IGMG). Sie betreibt eine faktisch desintegrative Jugendarbeit. Dies und ihre nur vorgeblich auf Integration zielende Politik fördern islamistische Milieus in unserem Land. Die Milli-Görüs-Bewegung ist einem als "Gerechte Ordnung" propagierten umfassenden Regelungssystem verpflichtet, das die westliche Zivilisation, ihren Wertekanon und ihr Demokratieverständnis negiert.

Türkische linksextremistische Organisationen wie die DHKP-C setzten trotz ihres 1998 ergangenen Verbots ihre Agitation im Bundesgebiet fort. Anknüpfungspunkt war zumeist die Situation in den türkischen Haftanstalten.

Die "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) tritt seit Frühjahr 2002 als "Freiheits- und Demokratiekongress Kurdistans", der so genannten KADEK auf. Im November 2003 kam es zu einer erneuten Umbenennung in "Kurdischer Volkskongress", dem so genannten KONGRA-GEL. Diese, von der Organisation jeweils als "Neugründung" qualifizierten Änderungen, haben tatsächlich die entscheidenden, hochkonspirativen Strukturen und das Führungspersonal mit Öcalan an der Spitze unangetastet gelassen. Das im November 1993 über die PKK verhängte Betätigungsverbot gilt deshalb unverändert fort.

International versuchte die Organisation auch 2003, durch eine "Roadmap" Verhandlungspositionen gegenüber der Türkei für eine "politische Lösung" der Kurdenfrage aufzubauen. Deutschland war auch im vergangenen Jahr trotz Verbots Schauplatz von Agitationsveranstaltungen und weitgehend im Untergrund betriebenen Geldbeschaffungsaktionen.

57.300 der insgesamt 7,3 Mio. in Deutschland lebenden Ausländer waren im vergangenen Jahr Mitglieder/Anhänger extremistischer Organisationen. Dieses Potential stagniert gegenüber dem Vorjahr.

In 24 islamistischen Organisationen waren 30.950 Personen (2002: 30.600) eingebunden, von denen rd. 26.500 türkischen und rd. 3.300 arabischen Ursprungs sind.

Das nicht-islamistische Potential (insbesondere linksextremistischer Organisationen) ist mit rd. 26.450 geringfügig rückläufig. Ebenso hat die Anhängerzahl nationalistischer Ausländergruppierungen auf rd. 8.800 leicht abgenommen.

Im Bereich der politisch motivierten Ausländerkriminalität hat sich die Gesamtzahl der Straftaten nahezu verdreifacht (1.473 in 2003 gegenüber 573 in 2002).

Die Gewalttaten sind auf 88 (2002: 61) angestiegen. Insbesondere hat jedoch die Zahl der sonstigen Straftaten auf 1.385 (2002: 512) zugenommen. Wesentlicher Grund hierfür sind Verstöße gegen das Vereinsgesetz. So wurden im Dezember 2003 Ermittlungsverfahren gegen rd. 1.200 Bezieher einer verbotenen "Kalifatsstaats"-Publikation eingeleitet.

  • Rechtsextremistische Bestrebungen

Ende 2003 gab es in Deutschland 169 (2002: 146) rechtsextremistische Organisationen und Personenzusammenschlüsse. Die Zahl ihrer Mitglieder sowie der nichtorganisierten Rechtsextremisten ist wie schon im vergangenen Jahr zurückgegangen und liegt mit 41.500 rund 8 % unter der von 2002 (45.000).

Die Zahl der subkulturell geprägten und sonstigen gewaltbereiten Rechtsextremisten ist mit 10.000 Personen (2002: 10.700) um knapp 7 % gesunken. Damit ist diese Zahl erstmals seit neun Jahren wieder zurückgegangen. Hierzu gehören als weitaus größte Gruppe rechtsextremistische Skinheads, die sich durch ihre subkulturelle Prägung von anderen gewaltbereiten Rechtsextremisten, beispielsweise aus dem Neonazilager, unterscheiden.

Die Zahl der Neonazis ist dagegen mit 3.000 (2002: 2.600) gegenüber dem Vorjahr um rund 15 % gestiegen. Ebenfalls gestiegen ist der Organisationsgrad in der Neonazi-Szene: 95 Gruppierungen (2002: 72) ließen ein Mindestmaß an organisatorischen Strukturen erkennen. Hierunter fällt auch ein beträchtlicher Teil der rund 160 Kameradschaften. Die Neonazi-Szene wirkte insbesondere auf Skinheads anziehend. Diese Entwicklung der letzten Jahre setzte sich fort: Es bildeten sich weitere "Mischszenen" von Neonazis und Skinheads. Die aktionistische Strategie der Neonazis, möglichst viele Demonstrationen zu organisieren, war nur bedingt erfolgreich: zwar führte sie zu einer gewissen Präsenz in der Öffentlichkeit, aber auch zu Demonstrationsmüdigkeit und internem Streit.

Gegenüber dem Vorjahr sind sowohl die Gesamtzahl der politisch rechts motivierten Delikte als auch die Zahl der politisch rechts motivierten Gewalttaten jeweils um 10 % zurückgegangen. Von den für das Jahr 2003 vom Bundeskriminalamt erfassten politisch motivierten Straftaten (20.477; 2002: 21.690) wurden 11.576 Straftaten (2002: 12.933), darunter 845 (2002: 940) Gewalttaten, dem Phänomenbereich "Politisch motivierte Kriminalität - rechts" zugeordnet.

10.792 (2002: 10.902) der politisch rechts motivierten Straftaten wurden als extremistisch eingestuft, darunter 759 Gewalttaten (2002: 772). Das bedeutet einen Rückgang rechtsextremistischer Straftaten um 1 % und rechtsextremistischer Gewalttaten um ca. 2 %. Bei 86,1 % (2002: 86,4 %) aller rechtsextremistisch motivierten Straftaten handelte es sich entweder um Propagandadelikte (7.551 Taten, 2002: 7.294) oder um Fälle von Volksverhetzung (1.744 Taten, 2002: 2.122). Mit 430 Taten (2002: 440) richtete sich die Mehrzahl der politisch rechts motivierten Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund gegen Fremde. Dies ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 2 %.

Bei den dargestellten extremistischen Straf- und Gewalttaten sowie bei den politisch motivierten Straf- und Gewalttaten im Bereich der "Politisch motivierten Kriminalität - rechts" ist damit ein nahezu gleichmäßiger Rückgang festzustellen.

Eine kontinuierliche und intensive Vorfeldbeobachtung gewaltbereiter Gruppierungen und Einzelpersonen ist gleichwohl unverzichtbar.

Der Fall der 2003 zerschlagenen Gruppe um Martin Wiese hat gezeigt, welche Gefährdung sich aus Bestrebungen einiger entschlossener Aktivisten entwickeln kann. Die Gruppe hatte sich nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen Sprengstoff beschafft und Überlegungen angestellt, einen Anschlag auf die Grundsteinlegung der Synagoge und des jüdischen Gemeindezentrums in München zu begehen.

Erstmals seit Jahren hat der Generalbundesanwalt am 28. April 2004 zunächst gegen vier mutmaßliche Mitglieder und einen Unterstützer der Gruppe Anklage wegen der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung erhoben. Gegen weitere Beschuldigte soll im Frühsommer ebenfalls Anklage erhoben werden.

Der "Fall Wiese" stellt einen regionalbezogenen Einzelfall dar. Teil eines terroristischen Netzwerks in der rechtsextremistischen Szene waren die Beschuldigten nicht. Der weitaus größte Teil der rechtsextremistischen Szene lehnt gewaltbejahende Strategien unverändert ab.

Über die Skinhead-Musik geraten viele Jugendliche nach wie vor in Kontakt mit der rechtsextremistischen Szene. Skinhead-Musik hat damit eine bedeutende Funktion bei der Entstehung und Verfestigung von Gruppen rechtsextremistischer, auch gewaltbereiter Jugendlicher. Die subkulturell geprägte Skinhead-Szene ist weiterhin mit ihren Musikveranstaltungen aktiv. Die Anzahl der Konzerte hat im Jahr 2003 leicht zugenommen; die Zahlen der Skinhead-Bands und der Vertriebe blieben in etwa gleich.

Die Strafverfolgungsbehörden konnten - zum Teil auf Hinweis der Verfassungsschutzbehörden - wieder zahlreiche CDs mit volksverhetzenden Inhalten sicherstellen.

Mit Urteil des Kammergerichts Berlin vom 22. Dezember 2003 wurden erstmals in Deutschland Mitglieder einer Skinhead-Band wegen der Bildung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung (§ 129 StGB) verurteilt.

Das Verbotsverfahren gegen die NPD, das vom Bundesverfassungsgericht im März 2003 eingestellt wurde, hat die Partei organisatorisch und finanziell geschwächt. Sie hat deutlich an Mitgliedern verloren. Unbeeindruckt von dem Verfahren agitierte die von Udo Voigt geführte Partei auch 2003 aggressiv gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.

Obwohl die NPD weiterhin rechtsextremistische Skinheads und Neonazis für ihre Demonstrationen mobilisieren konnte, gelang es ihr nicht, wie in den Vorjahren eine Führungsrolle im so genannten "Nationalen Widerstand" einzunehmen. Viele Neonazis sind zu ihr auf Distanz gegangen.

Die mitglieder- und finanzstärkste Organisation im parteipolitischen Rechtsextremismus blieb auch nach weiteren Mitgliederverlusten die "Deutsche Volksunion" (DVU). Die innerparteiliche Machtposition des Vorsitzenden, Gerhard Frey, blieb unangefochten. Die Aktivitäten der DVU sind zurückgegangen. Statt der früher üblichen jährlichen Großveranstaltung fanden vier Regionalveranstaltungen statt. Die Partei nahm 2003 lediglich an den Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft teil und erzielte landesweit 2,3 % der Wählerstimmen. Ansonsten verzichtete die DVU auf die Teilnahme an Landtagswahlen. Mit einem Mandat in Bremen und ihren fünf Abgeordneten im Brandenburger Landtag ist die DVU in zwei Landesparlamenten vertreten.

Bei der Partei der "Die Republikaner" (REP) liegen weiterhin Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen vor. Wie in den Vorjahren war das Erscheinungsbild der von Rolf Schlierer geführten Partei im Jahr 2003 von Wahlniederlagen, innerparteilichen Streitigkeiten um ihren Kurs und Mitgliederverlusten geprägt. Auch aus Unzufriedenheit mit der Parteiführung suchten zahlreiche Mitglieder Kontakte zu anderen Rechtsextremisten. Die REP beteiligten sich an den Landtagswahlen in Hessen (1,3 %), Niedersachsen (0,4 %) und Bayern (2,2 %). Dabei verloren sie überall deutlich an Stimmen.

Die intellektuellen Bemühungen der Rechtsextremisten blieben auch im Jahr 2003 weitgehend ohne Erfolg. Eigenständige Publikationen erschienen nur sehr unregelmäßig. Eine gewisse Resonanz erzeugte das theorieorientierte, rechtsextremistische Spektrum im Umfeld der NPD mit Aufsätzen in deren Parteizeitung "Deutsche Stimme".

Antisemitismus spielt in allen Bereichen des Rechtsextremismus eine bedeutende Rolle. Neben der offenen Agitation und Hetze gegen Juden - vorwiegend aus der Skinhead- und Neonazi-Szene - hat sich ein Antisemitismus der Andeutungen entwickelt. Er spekuliert auf ein antisemitisches Einstellungspotenzial in der Bevölkerung und versucht hier Einfluss zu gewinnen.

Für Rechtsextremisten ist das Internet das zentrale Medium geworden. Sie nutzen es zur Selbstdarstellung und Agitation, zur szeneinternen Diskussion sowie zur Mobilisierung für ihre Veranstaltungen. Die Zahl der von deutschen Rechtsextremisten betriebenen Homepages ging geringfügig auf 950 (2002: 1.000) zurück. Stattdessen nutzten Rechtsextremisten verstärkt interaktive Dienste des Internets, um sich zu informieren oder zu diskutieren. Neben Mailinglisten und Newsletters haben Diskussionsforen eine immer größere Bedeutung für die Szene.

  • Linksextremistische Bestrebungen

Das Erscheinungsbild des organisierten Linksextremismus zeigte 2003 nur wenig Veränderung gegenüber dem Vorjahr.

Die Mitglieder- und Anhängerzahlen der Organisationen und Personenzusammenschlüsse, bei denen Anhaltspunkte für linksextremistische Bestrebungen vorliegen, stiegen gegenüber 2002 geringfügig auf etwa 31.300 Personen an (2002: 31.100). Dazu zählen sowohl die schätzungsweise 1.500 Anhänger der "Kommunistischen Plattform der PDS" (KPF) als auch gewaltbereite Linksextremisten, die sich selbst mehrheitlich als Autonome bezeichnen. Ihre Zahl ist von 5.500 auf 5.400 Personen zurückgegangen. Einen leichten Mitgliederzuwachs verzeichneten marxistisch-leninistische, trotzkistische und sonstige revolutionär-marxistische Zusammenschlüsse. Ende 2003 zählten sie ca. 26.300 Mitglieder (2002: 26.000).

Wie die Anhängerzahl stieg auch die Zahl der linksextremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten leicht an:

Von den dem Phänomenbereich "Politisch motivierte Kriminalität - links" zugeordneten Straftaten 3.614 (2002: 3.639) wurden 1.459 (2002: 1.137) Taten mit extremistischer Motivation erfasst. Darunter befinden sich 483 Gewalttaten. Deren Zahl ist damit gegenüber dem Vorjahr wieder gestiegen, nachdem sie 2002 (385) einen Tiefststand erreicht hatte (2001: 750). Auch die Zahl der anderen Straftaten mit linksextremistischem Hintergrund ist mit 976 wieder angestiegen (2002: 752).

Die Hauptzielrichtung der linksextremistischen Gewalt liegt unverändert im Themenbereich "Links gegen Rechts". Mit diesem Hintergrund wurden 226 Gewalttaten verübt (2002: 202), während im Bereich "Kampagne gegen Kernenergie" 21 Gewalttaten (2002: 16) und in der Rubrik "Antiglobalisierung" erfreulicherweise nur noch eine einzige (2002: 7) gezählt wurde.

Fast alle Gewalttaten gingen auf das Konto von Autonomen. Sie wurden vor allem bei Protesten gegen Aufmärsche von Rechtsextremisten und bei krawallartigen Auseinandersetzungen mit der Polizei am Rande sonst friedlicher Demonstrationen begangen.

Ferner haben Autonome im Jahr 2003 vereinzelt konspirative Anschläge verübt, die die Grenze zum terroristischen Handeln überschritten. Dabei handelte es sich vor allem um Brandanschläge gegen Gebäude und Fahrzeuge, die zum Teil erheblichen Sachschaden hervorriefen.

Das beherrschende Thema deutscher Linksextremisten war 2003 der Irak-Krieg. Verschiedene linksextremistische Organisationen versuchten, durch die Beteiligung an Großdemonstrationen Einfluss zu nehmen. Einzelne trotzkistische Strömungen konnten sich sogar in erheblichem Umfang in die "Antikriegsbewegung" und in die "Antiglobalisierungsbewegung" einbringen. Dagegen vermochten es gewaltbereite Linksextremisten kaum, zu anderen aktuellen Konfliktthemen zu mobilisieren und das Bild von Protesten zu prägen.

Bei den Protesten gegen Castor-Transporte setzte sich der Trend abnehmender Mobilisierung fort. Insbesondere blieb die von einigen Anti-Atom-Initiativen erwartete Unterstützung aus der Anti-Kriegs- und der Anti-Globalisierungsbewegung aus. Die beim Castor-Transport nach Gorleben im November 2003 durchgeführten Gleis- und Straßenblockaden und andere Aktionen führten zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung des Transports. Auch im Bereich der "Anti-Globalisierungsbewegung" beteiligten sich militante deutsche Linksextremisten an den Gipfelkrawallen lediglich marginal.

Im Bereich der Parteien mit Anhaltspunkten für linksextremistische Bestrebungen waren 2003 die Auseinandersetzungen in der PDS zu ihrem neuen Parteiprogramm von besonderer Relevanz. Auch nach diesem neuen Programm verfolgt die PDS weiterhin das Ziel, eine über die Grenzen unserer Gesellschaft hinausweisende sozialistische Ordnung zu errichten und auf diesem Weg die bestehenden Macht- und Eigentumsverhältnisse zu überwinden.

 


Derniers articles

Verdun 2016 : La légende de la « tranchée des baïonnettes »
Eyes in the Dark: Navy Dive Helmet Display Emerges as Game-Changer
OIR Official: Captured Info Describes ISIL Operations in Manbij
Cyber, Space, Middle East Join Nuclear Triad Topics at Deterrence Meeting
Carter Opens Second DoD Innovation Hub in Boston
Triomphe de St-Cyr : le Vietnam sur les rangs
Dwight D. Eisenhower Conducts First OIR Missions from Arabian Gulf
L’amiral Prazuck prend la manœuvre de la Marine
Airmen Practice Rescuing Downed Pilots in Pacific Thunder 16-2
On ne lutte pas contre les moustiques avec une Kalachnikov...
Enemy Mine: Underwater Drones Hunt Buried Targets, Save Lives
Daesh Publications Are Translated Into Eleven Languages
Opération Chammal : 10 000 heures de vol en opération pour les Mirage 2000 basés en Jordanie
Le Drian : Daech : une réponse à plusieurs niveaux
Carter: Defense Ministers Agree on Next Steps in Counter-ISIL Fight
Carter Convenes Counter-ISIL Coalition Meeting at Andrews
Carter Welcomes France’s Increased Counter-ISIL Support
100-Plus Aircraft Fly in for Exercise Red Flag 16-3
Growlers Soar With B-1s Around Ellsworth AFB
A-10s Deploy to Slovakia for Cross-Border Training
We Don’t Fight Against Mosquitoes With a Kalashnikov
Bug-Hunting Computers to Compete in DARPA Cyber Grand Challenge
Chiefs of US and Chinese Navies Agree on Need for Cooperation
DoD Cyber Strategy Defines How Officials Discern Cyber Incidents from Armed Attacks
Vice Adm. Tighe Takes Charge of Information Warfare, Naval Intelligence
Truman Strike Group Completes Eight-Month Deployment
KC-46 Completes Milestone by Refueling Fighter Jet, Cargo Plane
Air Dominance and the Critical Role of Fifth Generation Fighters
Une nation est une âme
The Challenges of Ungoverned Spaces
Carter Salutes Iraqi Forces, Announces 560 U.S. Troops to Deploy to Iraq
Obama: U.S. Commitment to European Security is Unwavering in Pivotal Time for NATO
International Court to Decide Sovereignty Issue in South China Sea
La SPA 75 est centenaire !
U.S. to Deploy THAAD Missile Battery to South Korea
Maintien en condition des matériels : reprendre l’initiative
La veste « léopard », premier uniforme militaire de camouflage
Océan Indien 2016 : Opérations & Coopération
Truman Transits Strait of Gibraltar
Navy Unveils National Museum of the American Sailor
New Navy, Old Tar
Marcel Dassault parrain de la nouvelle promotion d’officiers de l’École de l’Air
RIMPAC 2016 : Ravitaillement à la mer pour le Prairial avant l’arrivée à Hawaii
Bataille de la Somme, l’oubliée
U.S., Iceland Sign Security Cooperation Agreement
Cléopatra : la frégate Jean Bart entre dans l’histoire du BPC Gamal Abdel Nasser
Surveiller l’espace maritime français aussi par satellite
America's Navy-Marine Corps Team Fuse for RIMPAC 2016
Stratégie France : Plaidoyer pour une véritable coopération franco-allemande
La lumière du Droit rayonne au bout du chemin





Directeur de la publication : Joël-François Dumont
Comité de rédaction : Jacques de Lestapis, Hugues Dumont, François de Vries (Bruxelles), Hans-Ulrich Helfer (Suisse), Michael Hellerforth (Allemagne).
Comité militaire : VAE Guy Labouérie (†), GAA François Mermet (2S), CF Patrice Théry (Asie).

Contact