Einleitung
In einem Jahr ist Donald Trump gelungen, woran die europäischen Föderalisten 70 Jahre lang gescheitert sind: Europa zu einen. Diese Ironie der Geschichte allein fasst das eisige Klima dieses Januars 2026 zusammen. Die Veröffentlichung der Eurobazooka-Umfrage gestern Morgen bestätigt nur « schwache Signale », die ohrenbetäubend geworden sind. In Davos haben die jüngsten Ansprachen von Mark Carney, Emmanuel Macron und Wolodymyr Selenskyj bereits gezeigt, dass das Maß voll ist: Die Zeit ist gekommen, Klartext zu reden.
Wir sind Zeugen einer historischen Wende, die den endgültigen Bruch der transatlantischen Verbindung besiegelt.
Doch dieser Zorn der europäischen öffentlichen Meinung kommt nicht aus dem Nichts. Er ist die direkte und rationale Antwort auf die Veröffentlichung der neuen « National Defense Strategy » (NDS 2026) des Pentagon in der vergangenen Woche. Dieses Doktrin-Papier, das die Prioritäten Amerikas für 2026-2030 festlegt, wirkte wie eine kalte Dusche in den Kanzleien: Zum ersten Mal wird Europa darin nicht mehr als « vitaler Partner » bezeichnet, sondern implizit als Peripherie, die es auszubeuten gilt.
Indem Washington die einseitige Sicherung von Ressourcen (Grönland) als nationale Sicherheitspriorität über die NATO-Verpflichtungen stellt, hat es den Vertrauensvertrag zerrissen. Die heutige Umfrage beweist, dass die europäischen Völker die Botschaft laut und deutlich verstanden haben: Sie werden nicht mehr beschützt, sie sind im Visier.
Diese Überzeugung, zur Zielscheibe geworden zu sein, entspringt keiner kollektiven Paranoia. Sie ist die klare Lesart der neuen amerikanischen Sicherheitsarchitektur. Um die Heftigkeit der Zahlen der Eurobazooka-Umfrage zu verstehen, muss man sie über die National Defense Strategy legen, die von dem veröffentlicht wurde, was seinen historischen Namen « Department of War » (Kriegsministerium) wieder angenommen hat.
Dieses militärische Dokument ist die operative, brutale und ungefilterte Übersetzung der Vision des Weißen Hauses. Es besiegelt große Brüche, die die schlimmsten Befürchtungen der Europäer bestätigen:
- Die Doktrin der « Notwendigen Prädation »: Das Pentagon stellt schwarz auf weiß fest, dass der Zugang zu « Schlüsselgelände » (Key Terrain) wie Grönland und dem Panamakanal absolute Priorität hat. Die Sicherung Grönlands durch die US Army ist keine Option, sondern ein Imperativ, um den militärischen und kommerziellen Zugang Amerikas zu garantieren. Dies gibt den 66 % der Europäer recht, die von « Rekolonialisierung » sprechen.
- Das Ende des « Schutzschirms » für Kontinentaleuropa: Das Pentagon kündigt an, dass die Verbündeten die « Hauptverantwortung » für ihre konventionelle Verteidigung übernehmen müssen. US-Truppen sind nicht mehr dazu da, die bedingungslose Sicherheit Europas zu garantieren, sondern um « kritische, aber begrenzte » Unterstützung zu leisten, wobei der Hauptaufwand auf die Verteidigung des Heimatlandes (Homeland Defense) umgelenkt wird.
- Die Arktis als neues Gravitationszentrum: Der Bericht integriert den « Trump Corollary » (Trump-Zusatz) in die Monroe-Doktrin und bekräftigt die amerikanische militärische Dominanz über die westliche Hemisphäre, um jeden gegnerischen Einfluss zu verhindern. Durch die Militarisierung dieser Zone behandelt Washington diese Gebiete als exklusive Einflusszone.
Es ist diese doppelte Lesart – die politische Vision des Weißen Hauses gepaart mit der militärischen Planung des Pentagon –, die den Elektroschock ausgelöst hat. Die Europäer haben begriffen, dass « Make America Great Again » nun eine Schwächung ihrer eigenen strategischen Position erfordert.
Die neueste Eurobazooka/Cluster 17-Umfrage zeugt brutal von der Erkenntnis der Europäer und ihrer Verbündeten (Kanada, Australien) über eine Dynamik, die ebenso neu wie beispiellos ist.
Hier ist die zahlenmäßige Radiografie dieses Bruchs, die keinen Raum für Zweideutigkeiten lässt:
- 51 % der Europäer bezeichnen Donald Trump nun als Feind und 44 % als Diktator.
- 81 % würden eine amerikanische Intervention in Grönland mit einem Kriegsakt gleichsetzen.
- 63 % unterstützen die Entsendung europäischer Truppen zur Verteidigung der Insel (ein historisches Novum).
- 21 % halten einen direkten Krieg mit den USA für wahrscheinlich – ein wahrgenommenes Bedrohungsniveau, das höher ist als das von China (11 %) oder dem Iran (18 %).
- Fast 2/3 beschreiben die amerikanische Außenpolitik als ein Unternehmen der « Rekolonialisierung ».
- 56 % machen die Passivität ihrer Führungskräfte angesichts des Staatsstreichs in Venezuela verantwortlich.
- Die Bündnistreue bricht zusammen: Die frontale Opposition (46 %) übersteigt nun den Willen zum Kompromiss.
Daher nimmt die detaillierte Analyse dieser Zahlen eine schwindelerregende Dimension an: Dies ist keine Stimmungsschwankung, es ist der Eintritt in den Widerstand.
I. Der demokratische Elektroschock: Datenanalyse
Die Ergebnisse dieses Januars 2026 markieren keine einfache Entwicklung, sondern einen Dammbruch. Das atlantische « Über-Ich », das es den Europäern verbot, gegen die Vereinigten Staaten zu denken, ist gefallen.
1. Die totale Entsakralisierung des Verbündeten Die Zahl mit den schwerwiegendsten Folgen ist zweifellos diese: 51 % der Europäer bezeichnen Donald Trump nun als Feind. Zum ersten Mal seit 1944 wird Amerika nicht mehr mehrheitlich als Beschützer, sondern als existenzielle Bedrohung wahrgenommen. Dieser Umschwung ist ebenso moralisch wie geopolitisch. Indem sie den amerikanischen Präsidenten als « Diktator » (44 %) bezeichnen oder ihm « autoritäre Tendenzen » zuschreiben (44 %), delegitimieren die europäischen Bürger das Bündnis. Man verbündet sich nicht mit dem, was man verurteilt. Die Umkehrung der Werte ist total: In den Augen der öffentlichen Meinung ist Washington zu einer Quelle der Instabilität geworden.
2. Grönland: Die rote Linie des « Europäischen Patriotismus » Der Pentagon-Bericht über die Ressourcensicherung fand eine vernichtende Antwort in der öffentlichen Meinung. 63 % der Befragten sprechen sich für die Entsendung von Truppen nach Grönland aus. Dies ist eine historische Zahl für ein Europa, das oft als pazifistische « Venus » bezeichnet wird. Es bedeutet, dass die Europäer das Territorium der Union (und das ihrer assoziierten Partner wie Dänemark) nun als unverletzliches Heiligtum betrachten. Noch gravierender für die Zukunft der NATO: 81 % würden eine amerikanische Militärintervention auf der Insel als « Kriegsakt » betrachten.
3. Der Kompensationsmechanismus: Von Venezuela bis zur Arktis Es besteht ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Demütigung, die während der Venezuela-Affäre empfunden wurde, und der Härte, die in Bezug auf Grönland gezeigt wird. Da 56 % unzufrieden mit der schwachen Reaktion der europäischen Behörden auf die Entführung von Maduro sind (die von 63 % als illegal angesehen wird), hat die öffentliche Meinung einen Komplex der Ohnmacht entwickelt, den sie nicht noch einmal erleben will. Die Verhärtung in der Grönland-Akte ist ein Kompensationsmechanismus: Was Europa in Caracas nicht wagte, fordert es in Nuuk zu tun.
4. Der Zusammenbruch der Partei des « Kompromisses » Schließlich ist die innenpolitische Dynamik klar. Die Nachfrage nach einer Ausrichtung auf Washington ist zusammengebrochen. Während das Land zwischen Kompromiss (44 %) und Opposition (46 %) gespalten scheint, ist die von Quentin Dickinson beschriebene Dynamik unmissverständlich: Der « gesunde Menschenverstand » gleitet in Richtung Konfrontation. Befürworter von Verhandlungen werden nun als die Naiven von gestern oder sogar als Komplizen der laufenden Prädation wahrgenommen.
II. Ausblick: Auf Kollisionskurs (Frühjahr 2026)
Wenn die europäische öffentliche Meinung kocht, dann deshalb, weil sie intuitiv begriffen hat, was Militärexperten in der neuen amerikanischen Strategie gelesen haben: Die Mechanik einer Konfrontation ist nun in Gang gesetzt. Es ist keine Hypothese mehr, es ist eine ballistische Gewissheit.
Tatsächlich rasen zwei unvereinbare Doktrinen aufeinander zu:
- Die amerikanische Seite: Der « Trump Corollary » Das Dokument des Department of War lässt keinen Interpretationsspielraum. Es formalisiert den « Trump Corollary to the Monroe Doctrine ». Diese Doktrin besagt, dass die Vereinigten Staaten ihre militärische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wiederherstellen müssen, und nennt explizit Grönland als ein Gelände, dessen Zugang garantiert werden muss. Für Washington ist die Sicherung von Nuuk eine Frage der nationalen Verteidigung, validiert durch einen Ansatz des « hartnäckigen Realismus » (hardnosed realism).
- Die europäische Seite: Die demokratische « Rote Linie » Angesichts dieses De-facto-Annektionswillens wirkt die Eurobazooka-Umfrage wie ein Riegel. Da 81 % der Europäer eine US-Intervention als Kriegsakt betrachten, könnte kein europäischer Staatschef einen Rückzieher machen, ohne politischen Selbstmord zu begehen.
Szenarien der nächsten Wochen:
- Der Zwischenfall von Nuuk (Februar 2026): In Anwendung der NDS 2026 könnte die US Navy Mittel einsetzen, um den « Zugang zu sichern » zu grönländischen Häfen. Dieser Einsatz, von Washington als Schutzmaßnahme gerechtfertigt, wird von Europa als der gefürchtete Akt der « Rekolonialisierung » wahrgenommen werden.
- Das Ende der NATO (März 2026): Die amerikanische Forderung, dass die Verbündeten nun 5 % ihres BIP für die Verteidigung ausgeben (einschließlich 1,5 % für erweiterte Sicherheitsausgaben), wird das Bündnis endgültig zerbrechen. Angesichts der europäischen Weigerung, für einen Schutz zu zahlen, der zur Bedrohung geworden ist, wird die NATO in einen Zustand des Hirntods eintreten.
- Das Face-off (April 2026): Wenn Europa Truppen nach Grönland entsendet (unterstützt von 63 % der Bevölkerung), werden wir Zeugen einer seit zwei Jahrhunderten beispiellosen Situation: Europäische und amerikanische Streitkräfte stehen sich, Gewehr bei Fuß, auf einem eisigen Schauplatz gegenüber.
III. Schlussfolgerung & Vorschlag: Das neue Narrativ
Wir müssen aufhören, uns Geschichten zu erzählen. Die Brutalität der National Defense Strategy 2026 entspringt nicht dem Nichts. Sie ist die explizite Umsetzung dessen, was schon immer das Ungedachte der amerikanischen Macht war.
Erinnern wir uns: Bereits vor dreißig Jahren hieß es in einer vertraulichen, von Bill Clinton unterzeichneten Exekutivanordnung, es sei « für die Vereinigten Staaten ausgeschlossen, abhängig zu sein » in Bezug auf 21 kritische Technologien, wobei kalt präzisiert wurde, dass « alles getan werden müsse, um dies zu beheben, einschließlich Krieg, falls erforderlich. » Was damals ein Staatsgeheimnis war, ist heute öffentliche Doktrin. Amerika sucht keine Partner, es sucht Vasallen oder Ziele.
Die Europäer müssen diese Realität ohne Zittern zur Kenntnis nehmen. Es müssen jetzt mutige Entscheidungen getroffen werden. Dies ist keine Krise mehr, es ist eine Scheidung.
Und genau hier, im Herzen dieses Sturms, zeichnet sich ein unerwarteter Weg ab. Wie jemand einst sagte: « I had a dream last night. »
Ich sah einen Präsidenten Macron, der, obwohl er im Inneren das höchste Amt nur noch symbolisch zu verkörpern schien, in Europa plötzlich die Richtigkeit des Tons wiederfand, die Geschichte schreibt. Ich sah einen Mann, der für die Franzosen wieder hörbar wurde, gerade weil er aufhörte, zu ihnen über Verwaltung zu sprechen, um zu ihnen über das Schicksal zu sprechen.
Präsident Macron fand zu einem gaullistischen Akzent zurück und zog seinerseits die Schlussfolgerungen, die General de Gaulle und François Mitterrand vor ihm gezogen hatten.
Hier ist die Rede, die er hielt und die alles veränderte:
Ansprache des Präsidenten der Republik Titel: « Wir sind keine Peripherie »
« Französinnen, Franzosen, meine europäischen Mitbürger,
Ich habe, wie Sie, das Dokument gelesen, das von dem veröffentlicht wurde, was sich in Washington nun ‘Kriegsministerium’ nennt. Worte haben eine Bedeutung. Man macht keine ‘Verteidigung’ mit Freunden; man führt ‘Krieg’ gegen Feinde.
Ich habe vor allem Ihren Zorn gehört, der heute Morgen durch diese historische Umfrage zum Ausdruck kam.
Das Amerika von Donald Trump hat einseitig beschlossen, die Regeln zu ändern. Es hat beschlossen, dass Grönland, ein assoziiertes europäisches Land, nur ein ‘Schlüsselgelände’ sei, das für seine eigenen Interessen gesichert werden müsse. Es hat beschlossen, dass unsere Bündnisse nur dann gültig seien, wenn wir einen exorbitanten Tribut von 5 % unseres Reichtums entrichten. Es hat beschlossen, dass Europa eine Beute ist.
Es verlangt von uns, zwischen Unterwerfung und Bruch zu wählen. Ich sage Ihnen heute Abend mit dem Ernst entscheidender Momente: Europa wird sich nicht unterwerfen.
Wir sind niemandes ‘strategische Peripherie’. Wir sind keine Pufferzone zwischen den Imperien. Wir sind eine freie Macht.
Vor dreißig Jahren schrieb Amerika bereits im Geheimen, dass es Krieg führen würde, um niemals abhängig zu sein. Heute antwortet Europa öffentlich, dass es bereit ist, sich zu verteidigen, um unabhängig zu bleiben.
Da Washington seine Monroe-Doktrin anruft, um sich Rechte über unsere Nachbarschaft anzumaßen, berufen wir uns auf unser unveräußerliches Recht, unseren eigenen Boden zu verteidigen. Als Antwort auf Ihre legitime Forderung nach Härte kündige ich die sofortige Entsendung einer Europäischen Marineschutztruppe in die Gewässer des Hohen Nordens an.
Diese Truppe richtet sich gegen niemanden. Sie ist hier, um eine einfache Sache zu sagen: Europa schützt sich selbst.
Die Zeit der Unschuld ist vorbei. Die Zeit der Macht beginnt. Es lebe die Republik, und es lebe das souveräne Europa. »