Es gibt Bilder, die durch ihre bloße Unanständigkeit die Tragödie einer ganzen Epoche zusammen-fassen. Der Anblick von Donald Trump, der stolz vor einem Friedensnobelpreis posiert, der eigent-lich einer venezolanischen Aktivistin verliehen wurde, gehört dazu.

Sein Lächeln gleicht dem eines Wolfes, der mit dem Lamm spielt, bevor er es verschlingt; sein Blick zeugt von bodenloser Eitelkeit. Nur wenige Tage zuvor hatte er mit jener legendären « Bescheiden-heit », die an Pathologie grenzt, vor den Kameras der Welt behauptet, er sei der einzige Mensch auf Erden, der diese Auszeichnung verdiene. Für Trump ist die Realität nur eine Option und der Anstand eine Fessel.
Inhaltsverzeichnis
von François de Vries — Brussels, den 16. Januar 2026
Dieses groteske Szenario ist kein Unfall, es ist Methode
Trump arbeitet nicht mit dem Skalpell, sondern mit dem Bulldozer. Höflichkeit, diplomatische Gepflogen-heiten, Menschenrechte oder Tugend sind Konzepte, die in seinem mentalen Betriebssystem nicht existieren. Sein einziges Evangelium ist das Geld. In Trumps Universum ist der Mammon König, und er selbst hält sich für Gott – unter dem fanatischen Jubel einer hypnotisierten MAGA-Basis.
Die Strategie der Nebelkerzen
Die Mechanik ist mittlerweile gut geölt: Jeden Tag eine neue Absurdität, um die gestrige auszulöschen. Diese Hyperaktivität der Dummheit ist kein Zufall, sie ist eine Überlebensstrategie.

Das Ziel?
Den Medienraum so zu sättigen, dass weder der Kongress noch die Presse zu tief in den Schattenzonen graben – insbesondere nicht in jenem Jahrzehnt, das er in der zweifel-haften Intimität eines gewissen Jeffrey Epstein verbrachte.
Seine Tage, weit entfernt von der Ernst-haftigkeit, die das Präsidentenamt erfordert, sind eine unverdauliche Mischung aus Fast Food und Reality-TV.
Zwischen zwei Hamburgern und einem Schluck Cola setzt er seine unnachahmliche Unterschrift unter zerstörerische Dekrete, bevor er auf Kosten der Steuerzahler zu seinen endlosen Golfpartien nach Florida fliegt. Der Trump-Zirkus kommt den Staats-haushalt teuer zu stehen.
Illustration © European-Security
Seine Obsession? Das « Branding ». Wie ein Tier, das sein Revier markiert, muss Trump seinen Namen überall aufdrücken und verwandelt die amerikanische Diplomatie in eine vulgäre Erweiterung seiner goldenen Türme.
Er besetzt die vorderste Bühne mit der Eitelkeit eines dekadenten Aufschneiders und keucht Argumente hervor, die ihm von « sicheren Quellen » eingeflüstert wurden. Quellen, die oft nur das Echo seiner eigenen Fantasien sind – oder schlimmer noch, die seines « Freundes » Wladimir Putin, jenes Vorbilds, das er so verzweifelt zu imitieren versucht.
Geopolitik auf dem Pausenhof
Doch manchmal verpasst die Realität dem Schauspiel eine Ohrfeige. Dänemark und Grönland erteilten ihm eine Lektion in Würde, indem sie ihn daran erinnerten, dass ein souveränes Territorium weder käuflich noch zu invasieren ist. Man wagte es, ihm « Nein » zu sagen. Ein Schock für den Mann, den hellsichtige Amerikaner längst als ungebildeten Narren betrachten.

In der Iran-Akte fiel die Maske endgültig. Er versprach die Apokalypse und behauptete, bereit für eine militärische Intervention zu sein. Doch hinter dem Muskelspiel ging es nie darum, Menschenleben zu retten – das ist seine geringste Sorge –, sondern um das Öl. Die ganze Welt hing am seidenen Faden und wartete auf den Krieg, bis sich das Krokodil in einen Aal verwandelte. Warum? Weil Saudi-Arabien, Katar und vor allem sein « Freund » Wladimir ihm zuflüsterten, dass ein Krieg schlecht für das Geschäft wäre. Sofort reihte sich der Twitter-Krieger wieder brav ein.
Der nützliche Idiot der chinesisch-russischen Achse
Das wahre Drama der Ära Trump geht jedoch über seine Verhaltensauffälligkeiten hinaus. Es liegt in seiner katastrophalen geopolitischen Bilanz. Trump bezeichnet China als den Feind, aber wer ist der wahre Saboteur Amerikas, wenn nicht Donald J. Trump selbst?

In vier Jahren hat er durch Inkompetenz und das völlige Fehlen einer strategischen Vision das Undenkbare geschafft: Er hat Russland in die Arme Chinas getrieben.[01]
Wie die Historikerin Françoise Thom richtig feststellt, hat Putin, in die Enge getrieben durch eine inkohärente US-Politik, die Zukunft Russlands an Peking verkauft, um sein unmittelbares politisches Überleben zu sichern. Trump hat einen geopolitischen Rivalen in einen gefügigen Vasallen des systemischen Feindes verwandelt und genau jenen monolithischen eurasischen Block geschaffen, den angelsächsische Strategen seit einem Jahrhundert fürchten.
Seine Friedenspläne waren nie etwas anderes als « Fallen für Dummköpfe », wie Militärs zu sagen pflegen.
Die Stunde der Abrechnung
Doch die Immunität des « Teflon-Don » beginnt zu bröckeln. Der Überdruss wächst. Es heißt nun, dass 75 % der Amerikaner finden, er « übertreibe es », er sättige den Raum und den Geist; das Maß ist voll. Das Volk ist erschöpft von diesem permanenten narzisstischen Chaos.

Angesichts dieses moralischen und strategischen Bankrotts bleibt eine brennende Frage an die Hüter der Institutionen: Wann wird der Kongress endlich den Mut finden, die Spielstunde abzurupfen und dem Spuk ein Ende zu bereiten?
François de Vries
[01] Bruegel, « Germany’s China dependence: Repeating the Russian gas mistake? »
Siehe auch:
- « L’imposture triomphante : Donald Trump ou la diplomatie du chaos » — (2026-0116)
- « The Triumph of Imposture: Donald Trump and the Diplomacy of Chaos » — (2026-0116)
- « Der Triumph der Hochstapelei: Donald Trump oder die Diplomatie des Chaos » — (2026-0116)
- « Trump II: Chaos und Mitleid » — (2025-0905)
- « Autopsie du chaos » — (2025-0410)
- « Vlad, t’as le bonjour de Donald » — (2026-0106)
- « „Donroe“ gegen „Russische Welt“ » — (2026-0105)
- « Der Tag, an dem der Westen den Norden verlor » — (2025-1225)
- « Anchorage ou le théâtre des dupes : Quand le « shérif » négociait avec la Guerre Totale » — (2025-1222)
- « Trump II: Chaos and Pity » — (2025-0905) —
- « Es ist Zeit Donald zu ducken » — (2025-0802)
- « Die Kloake und das Chaos: Die russische Verbindung im Fal Epstein » — (2025-0728)
- « Qu’ils me haïssent pourvu qu’ils me craignent » — (2025-0409)
- « Shérif de l’Apocalypse ou fou du tsar ? » — (2025-0311)
- « La « paix » russo-américaine : Grand marché et vassalisation de l’Europe » (2025-0311)
- « Le Roi est nu : Chronique d’un naufrage présidentiel » — (2025-1022)
- « Autopsie du chaos » — (2025-0410)
- « Pourquoi Poutine choisit le chaos » — (2023-1020)
Entschlüsselung: Der Schüler übertrifft den Meister
Wenn wir einen Blick in die Zukunft werfen, ist die Erkenntnis im Grunde erschreckend. In weniger als einem Jahr besteht Donald Trumps einziger echter « Erfolg » darin, Wladimir Putin in dessen eigenem Spiel geschlagen zu haben. Dem Herrn des Kremls, einst unangefochtener Meister der Gangstermethoden, wurde von seinem Lehrling im Weißen Haus die Show gestohlen. Wir erleben keine Geopolitik mehr, sondern einen finsteren Wettbewerb der Brutalität, in dem der amerika-nische Präsident nicht mehr versucht, die freie Welt zu führen, sondern die Autokraten in der Kunst der Erpressung, der Verachtung und der Lüge zu übertreffen. In diesem Ego-Duell um den Titel des planetarischen « Paten » hat Trump bewiesen, dass er weiter gehen kann als sein Vorbild – und die Demokratie bleibt dabei als bloßer Kollateralschaden auf der Strecke.