CDU: Die Revolte vor der Zeit

Deutschland durchlebt eine schwere politische Krise infolge des überwältigenden Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt im September 2026. Dieses Wahlbeben löst den historischen Zusammen-bruch der CDU aus und stürzt ihren Vorsitzenden Friedrich Merz angesichts interner Widerstände und rivalisierender Ambitionen in eine Lage extremer Schwäche. Während die extreme Rechte eine bewusste Strategie zur Zerschlagung der etablierten Parteien verfolgt, befürchtet eine „Schattenrepublik“ aus ehemaligen Amtsträgern einen möglichen systemischen Bruch. Internatio-nal löst dieser Umbruch Begeisterung bei populistischen Führern wie Donald Trump und Viktor Orbán aus, während er die europäischen Partner beunruhigt. Die Presse weist schließlich auf das Risiko einer verfassungsrechtlichen Sackgasse und eines tiefen Identitätsbruchs im Herzen der führenden Wirtschaftsmacht Europas hin.

Die Schockwelle aus Sachsen-Anhalt hat den Zusammen-bruch von Merz‘ Partei beschleunigt — zehn Tage vor dem Urteil des 20. September

Am 6. September 2026 gewann die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent der Stimmen — ein Ergebnis, das sie nur drei Sitze von der absoluten Mehrheit entfernte. Was die deutsche Presse in den folgenden Tagen entdeckt, ist mehr als nur eine Zahl: eine CDU, die öffentlich zerbricht, ein Kanzler, der geschwächter ist als je einer vor ihm, und eine rechtsextreme Opposition, die ihre bundesweiten Ambitionen nicht mehr verbirgt. Niemand wartet in diesem Taumel auf das Urteil des 20. September, um zu handeln.

Das Wesentliche

  • Die AfD erreicht 43,8 Prozent in Sachsen-Anhalt, die CDU stürzt auf 17,2 Prozent ab (gegenüber 37,1 Prozent 2021) — ihre schwerste Wahlniederlage seit Jahrzehnten.[01]
  • Die Wahlbeteiligung liegt mit 77,8 Prozent so hoch wie nie seit der Wiedervereinigung — ein Zeichen, dass die Mobilisierung, in beide Richtungen, total war.[02]
  • Die FAZ enthüllt ein internes Strategiepapier der AfD-Fraktion mit drei Säulen, das darauf abzielt, die CDU zu zerstören, statt nur mit ihr zu konkurrieren.[03]
  • Ein informelles, parteiübergreifendes Netzwerk ehemaliger Amtsträger — die „Schattenrepublik“ — bereitet sich laut Die Zeit bereits auf ein Szenario des Zerfalls des Parteiensystems vor.[04]
  • CDU-Kräfte an der Basis, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, fordern bereits offen den Rücktritt von Merz und das Ende der Brandmauer — zehn Tage vor der Wahl am 20. September.[05]
  • Die französische Presse (Mandeville/Moreau, Dickinson) und die internationalen Glückwünsche (Trump, Musk, Orbán, Vox, Lega) erweitern das Bild um eine geopolitische Lesart, die die deutsche Presse, gefangen in ihrer Koalitionsarithmetik, kaum aufgreift.

von Joël-François Dumont — Berlin, den 11.September 2026.

1. Der Schock des 6. September

43,8 Prozent der Stimmen, sieben von fünfzehn Listen mit mindestens einem Sitz, eine Wahlbeteiligung, die gegenüber der letzten Wahl um mehr als 17 Punkte gestiegen ist:[06] Sachsen-Anhalt hat gewählt wie nie seit der Wiedervereinigung — und es hat AfD gewählt. Die CDU dagegen fiel von 37,1 auf 17,2 Prozent — ein Einbruch, den Der Spiegel in einem Wort zusammenfasst: „Die Zerstörung„.[07] Die Partei verfügt in ihrer neuen Fraktion nur noch über fünfzehn Abgeordnete, gegenüber vierzig zuvor.

Die Ironie ist bitter für Friedrich Merz. Als Kandidat für den CDU-Vorsitz hatte er 2018 das Versprechen, den AfD-Stimmenanteil zu halbieren, zum Fahnenwort seiner Kandidatur gemacht. Am 6. September 2026 geschah das Gegenteil: Die CDU wurde halbiert, die AfD verdoppelte ihr Ergebnis.[08] Im Bundestag, drei Tage später, musste Alice Weidel darauf kaum noch bestehen — die Schmach war ohnehin unübersehbar. Beobachter bemerkten bei ihr einen ungewohnten Ton: zum ersten Mal keine keifende Aggressivität, sondern die fast gelassene Haltung einer Oppositionspolitikerin, die die Macht nicht mehr allzu fern sieht.[09]

2. Die AfD-Strategie: zerstören, nicht konkurrieren

Das ist keine Wahlkampf-Improvisation. Die AfD-Bundestagsfraktion hat, in einem von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung enthüllten internen Strategiepapier, eine Taktik mit drei Säulen formalisiert: den „Kulturkampf“, der die Debatte gegen links polarisiert, um SPD und Grüne weiter in ihre eigene Extrem-position zu treiben; „Ampel 2″, das bewusst den Eindruck einer ebenso dysfunktionalen CDU/SPD-Koalition wie der früheren Ampel nährt, um sie durch bloße Assoziation zu diskreditieren; und den verstärkten Druck auf die Union selbst, indem man ihr ihren wirtschaftspolitischen Markenkern streitig macht.[10] Das ist keine neue Doktrin — Alexander Gauland hatte sie bereits 2017, am Tag nach dem Einzug der AfD in den Bundestag, in einem Satz zusammengefasst: „Wir werden sie jagen„.[11] Die CDU, nicht die Grünen oder die Linke, war stets das Hauptziel.

An der Basis ist die Mechanik unverblümt. Ein AfD-Funktionär, anonym von Der Spiegel zitiert, bringt es auf den Punkt: „Schön, wenn wir regieren. Aber wenn wir regieren, indem wir drei, vier CDU-Leute zu Überläufern machen, haben wir gewonnen. Das wäre das Ende von Friedrich Merz, das Ende der CDU.“ [12] Angebote für Ministerposten kursieren bereits hinter den Kulissen. Focus dokumentiert den bedenk-lichsten Fall: Peter Kurth, ehemaliger CDU-Finanzsenator in Berlin, soll als Staatssekretär für Wirtschaft in einer AfD-Regierung im Gespräch sein — und wurde durch Spiegel-Recherchen als Finanzier von Netz-werken der Identitären Bewegung sowie eines Immobiliendarlehens an drei „sächsische Separatisten“ enttarnt, die sich derzeit vor Gericht verantworten müssen, weil sie mit Waffengewalt einen „national-sozialistischen Staat“ errichten wollten.[13]

3. Die Schattenrepublik

Der politisch eindrücklichste Beitrag dieser ganzen Sequenz ist wohl „Etwas wird passieren„, erschienen in Die Zeit. Der Artikel enthüllt die Existenz eines informellen, parteiübergreifenden Netzwerks ehemaliger Amtsträger — Ex-Minister, ehemalige Parteivorsitzende, quer durch das politische Spektrum —, die sich seit jenem Moment im Verborgenen austauschen, als die CDU erstmals einen Bundestagsantrag mit den Stimmen der AfD durchbrachte.[14] Ihr stillschweigendes Codewort: „Sehen Sie das auch?“ Sie alle sind überzeugt, dass „etwas passieren wird“, warten aber das Ende der Wahlen am 20. September ab, bevor sie öffentlich Position beziehen — aus Furcht, man werfe ihnen vor, den Wahlkampf zu sabotieren.

L’aigle allemand est à la peine : « La situation est désormais grave. Après la victoire de l’AfD en Saxe-Anhalt, l’ordre établi semble s’effondrer. Quelles en sont les conséquences pour le pays et pour les gens ? Et pour un chancelier fédéral que l’AfD veut détruire ? » — Une de Die Zeit du 10 septembre 2026
Der Adler kämpft: „Der Ernstfall ist jetzt. Nach dem Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt scheint die alte Ordnung zu zerbrechen. Was das für das Land und die Menschen bedeutet. Und für einen Bundeskanzler, den die AfD zerstören will.“ — Titelbild von Die Zeit, 10. September 2026

Ein konkreter Plan existiert noch nicht, doch die Idee eines Zusammenschlusses der Mitte-Parteien — oder gar einer „linkspopulistischen“ Bewegung im Geiste der Sahra Wagenknecht von 2018 — kursiert in diesen Kreisen bereits.

Dieses Klima des Endes einer Ära zeigt sich sogar in der politischen Inszenierung. Der Spiegel beschreibt einen Friedrich Merz, der sein Mea Culpa im Dauerloop wiederholt — „beim sechsten Mal an diesem Tag fällt es ihm bereits deutlich leichter“ — vor einem kaum überzeugten Publikum des SPD-Seeheimer Kreises, unter einem rot angestrahlten Zelt in den Gärten der Parlamentarischen Gesellschaft, nur wenige Meter vom Reichstag entfernt.[15] Ein „exzellent vernetzter“ CDU-Mann sagt unumwunden: „Merz ist der König eines Scherbenhaufens, und ich zweifle inzwischen, dass man die Scherben wieder zusammen-setzen kann.“[16]

4. Die Anwärter warten ab

Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, wird offen als „Reservekanzler“ gehandelt. Die Welt zeigt ihn beim Verzehr einer Currywurst vor dem Brandenburger Tor, wo er seine „Expertise qua Geburt“ als Fleischersohn beansprucht — kaum verhüllte Wahlkampfinszenierung.[17] Doch Wüst kalkuliert: Er muss im April 2027 sein Landesmandat in Nordrhein-Westfalen verteidigen und weiß, dass ein überstürzter Putsch gegen Merz ihm ein vergiftetes Erbe ohne sicheren Gewinn hinterließe. „Er hat ja Zeit, er ist erst 51„, notiert Der Spiegel.[18] Markus Söder, CSU-Vorsitzender, spielt dasselbe Wartespiel — mit einem zusätzlichen Anreiz: Je länger Wüst in Düsseldorf zuwartet, desto länger bleibt Söder der einzige glaubwürdige Rivale in Reserve in München.

Une de Focus du 11 septembre 2026

Focus beschreibt die beiden formalen Wege zu einem Kanzlerwechsel — eine von Merz selbst gestellte Vertrauensfrage oder ein konstruktives Misstrauensvotum des Bundestags — und kommt zu dem Schluss, dass keiner davon einfach ist: Die CDU/SPD-Koalition verfügt nur über zwölf Stimmen Mehrheit, und ein interner Putsch bliebe in der politischen Kultur der CDU ein schweres Tabu.[19] Der einzige theoretische Ausweg, selten erwähnt, aber real: die „Merkel-Option“ — Merz würde vom Parteivorsitz zurücktreten, aber Kanzler bleiben, genau wie es Angela Merkel nach der Hessen-Wahlniederlage 2018 tat, um ihre Kanzlerschaft bis zum Ende der Legislaturperiode zu retten.[20]

Focus-Titelbild, 11. September 2026: „Wohin taumelt Deutschland? Stürzt der Kanzler? Jubelt Putin? Was will Wagenknecht? Die 35 drängendsten Fragen nach dem AfD-Schock.“

5. Der Verfassungsschutz und die Frage eines Parteiverbots

Die Aussicht auf eine — und sei es nur regionale — AfD-Regierung wirft eine beispiellose institutionelle Frage auf. Der ehemalige BND-Agent Gerhard Conrad warnt in Focus: „Wenn die Partei, die bisher beobachtet wird, auf einmal die Macht über den Apparat bekommt, ist das eine Art Verfassungskrise.“ Man könne in einem solchen Fall „eigentlich nur noch vorher die Unterlagen verbrennen und evakuieren„.[21] Die Chefs aller sechzehn Landesämter und des Bundesamts für Verfassungsschutz haben sich bereits getroffen, um zu beraten, wie man die AfD vom Austausch sensibler Daten fernhalten kann.

Bei der Verbotsfrage selbst zeichnet sich ein Wandel ab: Hendrik Wüst ist der erste hochrangige CDU-Politiker, der offen eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Prüfung dieser Frage fordert.[22] Doch die Hürden bleiben erheblich — das Verwaltungsgericht Köln hat kürzlich die Einstufung der Bundes-AfD als „gesichert rechtsextrem“ gestoppt, und die rechtlichen Schwellen für ein tatsächliches Verbot liegen noch weitaus höher.[23]

6. Die internationale Beglückwünschungstafel

Noch am Wahlabend verbreitete Donald Trump auf Truth Social eine Hochrechnung, die der AfD 44,4 Prozent gab — kommentarlos, ein unmissverständlicher Gruß, wie Focus anmerkt, an eine Partei, die seine MAGA-Bewegung „mit besonderer Zuneigung umwirbt„.[24] Elon Musk schrieb knapp: „Gut gemacht!“ Viktor Orbán, dessen eigene Partei gerade erst die Macht in Ungarn verloren hatte, sprach von „einer riesigen Wahlnacht für Deutschland und für Europa“. Santiago Abascal (Vox, Spanien) und Matteo Salvini (Lega, Italien) gratulierten Alice Weidel namentlich, einer von ihnen nannte sie sogar seine „Freundin“.[25]

Im Gegensatz dazu bezeichnete der französische Wirtschaftsminister Roland Lescure das Ereignis als „sehr, sehr besorgniserregendes“ Signal.[26] Und Focus weist auf ein Paradox hin, das wenige deutsche Artikel hervorheben: Die AfD bleibt selbst innerhalb der europäischen extremen Rechten eine Art Paria — Marine Le Pen und Giorgia Meloni haben vor Jahren mit ihr gebrochen, weil sie ihnen zu radikal war. Ein deutsches Ergebnis nahe der absoluten Mehrheit könnte, in einer Umkehrung der Rollen, ihre eigene Positionierung als „vernünftiges“ Gesicht des Rechtspopulismus stärken — am Vorabend von Wahlen in Frankreich, Spanien und Italien.[27]

7. Französische Perspektiven: Mandeville, Moreau und Dickinson

Am selben Tag entwickelt Laure Mandeville in Le Figaro die strukturell ambitionierteste These dieser gesamten Presseperiode: Der Erfolg der AfD sei kein rein deutscher Zufall, sondern das Symptom einer breiteren westlichen Verdrängung — jener der Eliten, die die Fragen der Migration und der Notwendigkeit identitären Schutzes über Jahre umgangen haben. Sie zitiert eine Zahl, die den Generationenwandel deutlich macht: 44 Prozent der Wähler unter 30 Jahren in Sachsen-Anhalt stimmten für die AfD.[28]

Der von Mandeville befragte Politikwissenschaftler Patrick Moreau — ein führender Germanist und Extremismus-Spezialist — entwickelt eine für das Verständnis der Partei zentrale Unterscheidung: Anders als der französische Rassemblement National, der die Strategie der „Dédiabolisation“ gewählt hat, hat die AfD den gegenteiligen Weg eingeschlagen — nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ, die Radikalität offen zu zeigen, statt sie zu verbergen. Er zeichnet das Bild von Ulrich Siegmund als Figur eines „unkomplexierten“ Nationalkonservatismus gegenüber der deutschen Vergangenheit und schließt mit einer Formulierung, die direkt an die Geopolitik des Dossiers „L’Europe à l’heure allemande“ anknüpft: Die Priorität sei nicht mehr die Vergangenheit, sondern das Ende der Unterstützung für die Ukraine — „das trojanische Pferd des Kreml„.[29]

Le cheval tremble de peur devant Merz qui s'étrangle, Victoria ailée est tétanisée aux côtés de Donald qui exulte près de son nouvel ami Ulrich Siegmund qui porte sa casquette "Make Germany Great Again" (fabriquée en Chine) sur la porte de Brandebourg — Illustration IA © European-Security
Das Pferd zittert vor Angst vor dem erstickenden Merz, Victoria ist wie erstarrt neben einem jubelnden Donald an der Seite seines neuen Freundes Ulrich Siegmund, der am Brandenburger Tor seine „Make Germany Great Again“-Kappe (Made in China) trägt — KI-Illustration © European-Security

Auf euradio bringt unser Kollege Quentin Dickinson am selben Tag eine andere Textur ein — die gesprochene Stimme eines Diplomaten-Kommentators, der Brüssel und Berlin von innen kennt. Er beschreibt eine mögliche AfD-BSW-Koalition als „eine perfekte Kriegsmaschine gegen die Europäische Union“, die offen prorussische Fraktionen mit anderen vereint, die glühende Bewunderer Donald Trumps sind. Und er benennt, fast beiläufig, das schwerste Risiko: die faktische Wiederauferstehung zweier Deutschlands — eines von prorussischen Parteien dominiert, das andere von den Mitteparteien regiert —, wobei Berlin auf „die Rolle eines machtlosen Schiedsrichters eines unlösbaren gesellschaftlichen Konflikts“ reduziert werde.[30]

Joël-François Dumont

Siehe auch:

Anmerkungen

[01] Amtliches Endergebnis, Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt, 6. September 2026.

[02] „Hoffen, dass sich etwas ändert“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 211, 11. September 2026, von Luca Neuschaefer-Rube.

[03] „Weidel gegen Merz“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 210, 10. September 2026, von Friederike Haupt, Mona Jaeger, Eckart Lohse und Matthias Wyssuwa.

[04] „Etwas wird passieren“, Die Zeit, Nr. 39, 10. September 2026, von Tina Hildebrandt und Robert Pausch.

[05] „CDU-Basis droht Merz mit Austritt“, Tichys Einblick, 11. September 2026; „CDU-Krise spitzt sich zu“, Nordkurier, 11. September 2026.

[06] „Hoffen, dass sich etwas ändert“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 211, 11. September 2026.

[07] „Die Zerstörung der CDU“, Die Zeit, Nr. 39, 10. September 2026, von Martin Machowecz, August Modersohn, Martin Nejezchleba, Cornelius Pollmer und Tilman Steffen.

[08] „Weidel gegen Merz“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 210, 10. September 2026.

[09] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Alexander Gauland, öffentliche Erklärung, 2017, am Tag nach dem Einzug der AfD in den Bundestag.

[12] „Die Zerstörung der CDU“, Die Zeit, Nr. 39, 10. September 2026.

[13] „Griff nach Macht“, Der Spiegel, Nr. 38, 11. September 2026, von Astrid Geisler, Fabian Hillebrand, Ann-Katrin Müller und Philipp Wittrock.

[14] „Etwas wird passieren“, Die Zeit, Nr. 39, 10. September 2026.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] „König des Scherbenhaufens“, Der Spiegel, Nr. 38, 11. September 2026, von Jan Friedmann, Konstantin von Hammerstein, Paul-Anton Krüger, Andreas Niesmann und Christian Teevs.

[18] Ebd.

[19] „Wie weiter, Deutschland?“, Focus, Nr. 38, 11. September 2026.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] Ebd.

[25] Ebd.

[26] Ebd.

[27] Ebd.

[28] Laure Mandeville, „L’AfD, rejeton des dénis de l’Occident“, Le Figaro, 11. September 2026.

[29] Patrick Moreau, Interview mit Laure Mandeville, „La victoire de l’extrême droite allemande raconte la maladie de nos démocraties“, Le Figaro, 11. September 2026.

[30] Quentin Dickinson, Kommentar, euradio, 10. September 2026.

Décryptage — Deutschland von außen gesehen: „Sehen Sie das auch?“

Es hat etwas Schwindelerregendes, die deutsche und die französische Presse an diesem selben 11. September nebeneinander zu lesen. Die Schlagzeilen aus Hamburg, Frankfurt und München zählen Stimmen, Sitze, Koalitionsszenarien, die Rivalität zwischen Wüst und Söder — eine minutiöse, fast klinische Arithmetik eines politischen Systems, das aus den Fugen gerät. Die französische Presse, mit weniger Material, aber mehr Abstand, stellt sofort die Frage, die sich Deutschland, gefangen im Taumel seiner eigenen Krise, noch nicht in aller Ruhe stellen kann: Was sagt dieser Umbruch über den Rest des Westens aus?

Die Antwort steckt vielleicht in einem einzigen Bild: ein Netzwerk ehemaliger Verantwortungs-träger, die im Verborgenen ein Codewort austauschen — „Sehen Sie das auch?“ — während die ganze Welt, von Washington bis Moskau, über Budapest und Madrid, Deutschland bereits als den nächsten fallenden Dominostein betrachtet. Das zurückhaltende Schweigen dieser Schatten-republik, die den 20. September abwartet, bevor sie laut spricht, ist vielleicht das sicherste Zeichen dafür, dass niemand in Deutschland derzeit weiß, wie er auf die Frage antworten soll, die Focus in fünf Großbuchstaben auf sein Cover gesetzt hat: Wie weiter, Deutschland?