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Terrorismus und Organisierte Kriminalität: Die Symbiose der Terroristen und Gangster

Terrorismus und Organisierte Kriminalität: Die Symbiose der Terroristen und Gangster

Die wichtigsten Anschläge des internationalen Terrornetzwerkes forderten in den letzten zwölf Monaten wiederum mehrere hundert Tote. Sie belegen in schrecklicher Weise, dass die Bedrohung durch die unterschiedlichen Formen des Terrorismus weiterhin anhält. Die Ermittlungen der Behörden zeigen aber auch immer öfters enge Verbindungen zwischen den Terrornetzwerken und der Organisierten Kriminalität. Deshalb sollen in diesem Beitrag die gegenwärtige Struktur des Terrorismus und mögliche Verbindungen zur Organisierten Kriminalität dargelegt werden. Von Hans-Ulrich Helfer (*) Mitglied der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Kriminologie, Zürich, den 18. Mai 2003. Quelle: Sicherheitspolitik.

1. Alter und neuer Terrorismus

Wir haben erkannt, dass der Terrorismus in immer kürzerer Zeit neue Varianten hervorbringt, die kaum noch unter Kontrolle zu halten sind. Dies hängt einerseits mit der Empfindlichkeit unserer modernen Gesellschaft zusammen, aber anderseits besonders auch mit einigen grundlegenden Entwicklungen der Terrorismusszene in den letzten Jahren. Es entstand ein so genannter "Neuer Terrorismus". Wie unterscheidet sich aber dieser neue vom alten Terrorismus? Die wichtigen Faktoren des neuen Terrorismus sind:

Die Terroristen agieren Global und nicht nur National: Nach amtlichen Dokumenten hat beispielsweise die Al Qaida zu Organisationen in 55 Ländern Kontakt. In den letzten 18 Monaten wurden alleine in Westeuropa über 150 Terroristen dieses Netzwerkes festgenommen. Teilweise standen sie kurz davor Anschläge auszuführen.

Die Terroristen verfügen über immense Gelder: Gruppen wie die RAF mussten ihr benötigtes Geld weitgehend kriminell beschaffen, dies trifft beispielsweise auf die Al Qaida nicht zu. Bin Laden kontrolliert persönlich einige hundert Millionen USD. Das saudiarabische Königshaus gibt rund drei Milliarden USD pro Jahr zur Verbreitung ihres totalitären Islamismus, des Wahhabismus, aus. Es ist anzunehmen, dass auch von diesem Geld ein Teil zur Unterstützung des Terrornetzwerkes herangezogen wird.

Die Terroristen entstammen der oberen Schicht und viele genossen Hochschulbildung: Die meisten Mitglieder von terroristischen Gruppen wie etwa der irischen IRA oder der palästinensischen HAMAS stammen aus ärmlichen Verhältnissen. Nicht so beispielsweise die international aktiven Terroristen der Al Qaida. Interessant ist auch, dass dreizehn der neunzehn mutmasslichen Täter des Anschlages auf das WTC vom 11. September 2001, Bürger Saudi-Arabiens waren. Auch Mohammed Atta, geboren in Ägypten, reiste mit einem saudischen Pass.

Die Vermittelbarkeit der Tat ist nicht mehr zwingend notwendig: Bei Terrorismus spielt die moderne Informationsgesellschaft mit ihren Medien eine ganze spezielle Rolle. Die Terroristen kommen ihren Zielen nur näher, wenn sie wahrgenommen werden. Im Weltdorf Erde sorgen die Medien und das Internet dafür, dass Anschläge fast zeitgleich bekannt sind. Dies führt auch dazu, dass die Wahl eines Anschlagszieles sich mehr und mehr daran orientiert, wie spektakulär die Aktion ausfällt und wie schrecklich sie von der Bevölkerung und deren Repräsentanten aufgenommen wird. Politisch motivierte Terroristen brauchen die Unterstützung eines Teiles der Öffentlichkeit, sie wollen neue Terroristen rekrutieren, brauchen Geld und logistische Unterstützung und wollen schliesslich irgendwann die Macht übernehmen. Islamische und religiöse Fanatiker oder von Rassenhass geleitete Bombenleger sind darauf nicht angewiesen, denn ihnen reicht die Zerstörung. Gerade diese Entwicklungen machen einige Akte des Terrorismus so gefährlich. Weil die Vermittelbarkeit der Tat nicht mehr zwingend nötig ist, rücken automatisch neue Anschlagsziele ins Zentrum, die früher nie denkbar gewesen wären. Dazu könnten auch Bio- und Nuklearterrorismus gehören, eben die ziellose mörderische Hinrichtungen unschuldiger Opfer.

Die Terroristen nutzen gekonnt die uralten und neusten Kommunikationsmittel: Dazu gehört der traditionelle "Tote Briefkasten" und Kuriere genauso wie das Satellitentelefon oder die Chat-Räume der Sex-Branche.

Welche grundsätzlichen Strukturen sind gegenwärtig von Wichtigkeit?

  • der transnationale islamitische Terrorismus,
  • der klassische Terrorismus (Basis: Anti-Globalisierungs-Bewegung),
  • die organisierte Kriminalität terroristischer Gruppen,
  • der Cyber-Terrorismus,

1.1 Der transnationale islamitische Terrorismus

Der transnational islamitische Terrorismus, der weltweit verdeckt planen und operieren kann, ist uns bewusst geworden. Die letzten Anschläge solcher Gruppen haben bewiesen,

  • dass Anschläge von grosser Bedeutung in Industrieländern jederzeit möglich sind
  • dass ziellos gegen unschuldige Bürger vorgegangen wird
  • dass die Täter bewusst eine hohe Anzahl von Opfer erzielen wollen
  • dass damit vordergründig keine detailliert politische Forderung verbunden ist
  • dass nicht versucht wird, die Tat als legitim an die betroffene Bevölkerung zu vermitteln.

Der 11. September 2001 war nicht der Anfang einer kriegerischen Phase. Osama bin Laden hat bereits 1989 an einer These des "3. Weltkrieges ohne Grenzen" gearbeitet, womit sich die islamische Welt vom Westen befreien soll. Die heute bestehende Struktur wurde insbesondere auch mit der "World Islamic Front" manifestiert. Die Erklärung des Heiligen Krieges gegen Juden und Kreuzzügler wurde am 22. Februar 1998 verabschiedet. Al Qaida ist das erste terroristische Netzwerk, das globale Ziele anstrebt und auch global operiert. Vorher gab es nur terroristische Strukturen mit regional oder lokal orientierten Zielen und Operationen, beispielsweise die RAF, Action Directe, ETA, IRA, PLO usw.

Die Ideologie dieser Terroristen bedeutet, dass Trinkwasservergiftungen, Sprengstoffanschläge mit nuklearer Verseuchung oder die terroristische Besetzung eines Kernkraftwerkes durch Selbstmörder als möglich zu betrachten sind. Der Einsatz von nuklearen, chemischen oder biologischen Mitteln durch Terroristen in den nächsten Monaten ist zu befürchten. Es gibt schon islamitische Terroristen im Westen, die bereit sind Anschläge mit solchen Waffen auszuführen.

1.2 Der klassische Terrorismus (Basis: Anti-Globalisierungs-Bewegung)

Der konventionelle Terrorismus der Vergangenheit orientierte sich an der bipolaren Welt, verfügte angeblich über ein alternatives politisches Konzept und zielte auf die Errichtung einer besseren Gesellschaft. Nach dem Zusammenbruch der DDR, die bewiesenermassen jahrelang den marxistisch-leninistischen Terrorismus unterstützte, sind vom linksrevolutionär orientierten westeuropäischen Terrorismus der Prägung der vergangenen Jahrzehnte im deutschsprachigen Raum nur noch Fragmente übrig.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) und andere Gruppen sind zerschlagen. Ein weiteres Beispiel: Der griechischen marxistischen Terrororganisation "17. November" werden 23 Morde in 27 Jahren sowie rund 50 weitere Anschläge zugeordnet. Gegen Mitte 2002 gelang es der Polizei nach einem fehlgeschlagenen Anschlag etliche Mitglieder festzunehmen, am 5. September 2002 stellte sich das mutmassliche Führungsmitglied (Dimitris Koufodinas) den Behörden. Am 3. März 2003 begann der Prozess gegen 19 Mitglieder. Die Organisation 17. November gilt als vollständig zerschlagen.

Wohl bestehen noch Gruppen, die nach den alten Vorstellungen operieren, doch gegenwärtig sind ihre Aktivitäten eingeschränkt oder zielen auf regionale Erfolge. Im westeuropäischen Einflussgebiet sind insbesondere noch Organisationen mit separatistischen Motivationen aktiv, vor allem die nordirische IRA und die baskische ETA oder die italienische Rote Brigade. So kam es am 2. März 2003 bei einer Kontrolle in einem Zug zwischen Rom und Florenz zu einer Schiesserei zwischen Beamten und Mitgliedern der Roten Brigade (Nadia Desdemona Lioce sowie Mario Galesi). Ein Polizist und der gesuchte Mario Galesi kamen dabei um.

Die autochthone Schweizer Terrorszene ist durch einige Repräsentanten nach wie vor in die internationale Szene (beispielsweise neue Brigade Rosse, ETA, IRA oder KADEK) eingebunden. Offiziell fällt die Schweizer Szene gegenwärtig lediglich durch Sachbeschädigungen auf, inoffiziell bemüht sie sich, die internationalen Gruppen weiterhin wie in den vergangenen Jahren mit Logistik zu unterstützen.

1.3 Die organisierte Kriminalität terroristischer Gruppen

Nach dem Zerfall des sowjetischen Imperiums ist vielerorts ein Machtvakuum entstanden, das zu kriegerischen Auseinandersetzungen geführt hat. Es sind so genannte 'graue Zonen' entstanden, die sich hervorragend für die Entstehung einer Zusammenarbeit zwischen Kriminellen und Terroristen eignen. Bestes geografisches Beispiel in unserer Gegend ist Serbien und Albanien mit seinen Nachbarstaaten. Die selbsternannten Herrscher sind eng mit Vertretern der Organisierten Kriminalität (OK) liiert oder stellen die Paten selber. In einer Symbiose mit terroristischen Organisationen unterdrücken die Paten die Bevölkerung oder üben sogar Gewalt gegen fremde Staaten aus. Diese Zusammenhänge ergeben eine neue Qualität, eine Wechselbeziehung zwischen TE und OK.

1.4 Cyper-Terrorismus

Die gegenwärtigen Terroristen nutzen hochprofessionell alle Möglichkeiten der neuen Technik. Weltweit sind in den Industrieländern nach den Terroranschlägen in New York und Washington zahlreiche Spezialisten daran Bedrohungsszenarien zu revidieren. Sehr hohe Risiken bergen die vernetzten elektronischen Informations- und Kommunikationssysteme, ohne die unsere Gesellschaft nicht mehr funktionsfähig ist. Politisch und ideologisch motivierte, mit modernster Technologie vertraute und gut organisierte Terroristen sind auch zu folgenschweren Attacken auf die verletzliche Informations- und Kommunikations-Infrastruktur eines Landes fähig. Anschläge auf die elektronische Infrastruktur sind heute mehr denn je eine reale Bedrohung. Es gilt deshalb, die Krisenszenarien zu überarbeiten, Risiken zu erkennen, zu analysieren, zuverlässige Sicherheitsmassnahmen einzuleiten und ein wirksames Krisenmanagement vorzubereiten.

Wichtige Themen unter diesem Gesichtspunkt wären: Telekommunikation und Medien, Transportwesen und Logistik, Finanzdienstleistungen, Industrie, Gesundheitswesen, Energie- und Wasserversorgung, Verwaltung usw. Die meisten kritischen Infrastrukturen in der Schweiz sind genügend resistent gegen zufällige Störungen oder Unfallfolgen. Gegen gezielte Überraschungsangriffe jedoch, mit denen die Handlungs- und Entscheidungsfreiheit eines Landes beeinträchtigt werden soll, reicht dies nicht aus. Infolge Vernetzung und gegenseitiger Abhängigkeiten kritischer Infrastrukturen kumulieren Risiken in oft kaum übersehbarem Ausmass. So funktionieren zum Beispiel Energieversorgung und Telekommunikation heute nur mit Computersystemen, die wiederum abhängig sind vom Stromnetz und vom Netz der Telekommunikationsgesellschaften.

Es entstehen also neue Formen von Terrorismus, so dass der Zusammenhang zwischen Tatort und Aufenthaltsort nicht derselbe sein muss. Grenzen und Grenzkontrollen fallen dahin und sind ohne Bedeutung. Vorbereitungshandlungen erfolgen über internationale Netze nahezu anonym. Es ist eine terroristische Bedrohung entstanden, bei welcher das "Elektron" die Waffe ist.

2. Gibt es Organisierte Kriminalität?

2.1 Der theoretische Ansatz der Wissenschaftler

Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 40 der Schweiz haben sich Wissenschaftler mit den verschiedenen Aspekten der "organisierten Kriminalität" befasst. Am 18. Oktober 2002 wurden die Forschungsergebnisse in Bern vorgestellt. Die Zusammenfassung lautet:

Die Forschungsergebnisse bestätigen die Tatsache, dass illegale Märkte auch in unserem Land eine Rolle spielen, es lassen sich aber keine Hinweise auf die Einwirkung marktdominierender Gruppierungen finden. Das von den Strafverfolgungsbehörden entworfene Bedrohungsszenario bedarf demnach einer gründlichen Revision. Mögen illegale Märkte ein Ärgernis darstellen, so werden deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft überschätzt.

Originaltext: (http://www.nfp40.ch/ergebnisse/dt/referat_03.html)

-- "Bestätigen die Forschungsergebnisse die Tatsache, dass illegale Märkte auch in unserem Land eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, so lassen sich keine Hinweise auf die massive Einwirkung marktdominierender Gruppierungen finden. Untermauert wird dieser Befund durch die Feststellung, dass sowohl Gewalt als auch Korruption eine eher marginale Rolle spielen und nicht systematisch eingesetzt werden. Schliesslich verweisen die Untersuchungen darauf, dass zwar auf lokaler Ebene klientelistische Strukturen den Graubereich zwischen moralisch Verwerflichem und gesetzlich Erlaubtem ausnutzen, diese sich allerdings nicht zu Organisationen verdichten, welche die soziale Ordnung zu gefährden vermögen.

-- Das von den Strafverfolgungsbehörden entworfenes Bedrohungsszenario bedarf demnach einer gründlichen Revision. Mögen illegale Märkte ein Ärgernis darstellen, so werden deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft überschätzt. Dies gilt auch für die mehr oder weniger ausgeklügelten Strategien zum Reinwaschen illegaler Profite. Gelangen ein Teil dieser Profite via Finanzplatz Schweiz in den legalen Wirtschaftskreislauf, besteht kein Grund anzunehmen, dass daraus ernsthafte Gefahren für die bestehende Wirtschaftsordnung erwachsen. Revisionsbedürftig ist in den Augen der Forscher auch der seit seinem Inkrafttreten kaum angewandten Art. 260ter StGB. Dieser verfehlt offensichtlich nicht nur sein Ziel, sondern gefährdet durch eine Verlagerung der Strafverfolgung ins Vorfeld der Straftat rechtsstaatliche Grundsätze."

Im Detailprojekt 18 des NFP 40 heisst es sogar: (http://www.nfp40.ch/projekte/5_ok_theorie/default_2.html)

"In der Schweiz lassen sich auf polizeilicher und gesetzgeberischer Ebene bedeutende Aktivitäten zur Bekämpfung der OK feststellen. Formelle strafrechtliche Verfahren sind jedoch sehr selten und es besteht guter Grund zur Annahme, dass OK in Realität in der Schweiz kaum zu finden ist, insbesondere keine gewalttätige OK."

2.2 Der praktische Ansatz der Behörden

Die Tatsache, dass es in der Schweiz wirklich nur sehr wenige formelle Strafverfahren auf Basis des Artikel 260ter gibt und dass in den schweizerischen Kriminalstatistiken Aussagen über die Organisierte Kriminalität fehlen, zeigt natürlich die Schwierigkeiten, OK näher zu beschreiben. Ein banales Beispiels mag dies verdeutlichen: Der spontan ausgeführte Taschendiebstahl eines Einzeltäters darf in den meisten Fällen nicht der OK zu geordnet werden. Das Auftreten von Banden, die vom Ausland an die Bahnhofstasse in Zürich anreisen, um dort dem organisierten Taschendiebstahl nachzugehen, ist zweifelsohne der OK zuzurechnen. Der Bestohlene kann in fast allen Fällen kaum etwas über die Täterschaft aussagen und deshalb ist auch vielfach unklar, ob es nun ein Einzeltäter oder eine Bande war. Diese subtilen Unterscheidungsschwierigkeiten führen bei Konferenzen oder Wissenschaftlern immer wieder zu Streitereien, was OK nun wirklich sei oder ist. So spricht man in der Schweiz bei einigen Behörden auch von einer Vorstufe der OK, genannt "Kriminalität mit bandenmässigen Strukturen", was oft nur zu weiteren Verwirrungen führt. Auch der Begriff "organisiertes Verbrechen" beschreibt die Thematik nicht vollständig, da damit die wichtige "organisierte Kleinkriminalität" ausgeklammert wird. Eine bei den Polizei- und Justizbehören westeuropäischer Länder anerkannte Definition lautet:

"Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmässige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind,

  • wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig,
  • unter Verwendung gewerblicher oder geschäftlicher Strukturen,
  • unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder
  • unter Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz und Wirtschaft zusammenwirken."

Zur konkreten Sache: Vordergründiges Ziel der Hintermänner der Organisierten Kriminalität (OK) ist doch der finanzielle Gewinn. Aus diesem Grunde suchen die Vertreter der OK besonders dort ihre Betätigungsfelder, wo Aussichten auf hohe Profite bestehen. Als Erscheinungsformen der OK sind in diesem Sinne beispielhaft zu nennen: Drogen-, Waffen- und Menschenhandel, Schutzgelderpressung, Falschgeldherstellung, Taschen-, Einbruch- und Fahrzeugdiebstahl, Kapital-, Versicherungs- und Submissionsbetrug oder organisierte Umweltkriminalität. Bei all diesen Erscheinungsformen spielt die Korruption eine äusserst wichtige Rolle. Aktive und passive Bestechung sind die Schleusentore der OK, denn Schmiergelder sind Öl und Lebensnerv der OK. Besonders gefährlich wird es dort, wo Verbindungen zwischen Korruption und OK sowie zur politischen Gemeinschaft bestehen. Diese Dreiecksbeziehung bildet den Nährboden zur Unterwanderung der legalen Wirtschaft und der Demokratie im allgemeinen. Erfolgreiche Beispiele in diesem Sinne sahen wir vor Jahren in Kolumbien oder aktuell nun in Albanien. Ein konkretes Beispiel zur Thematik, nämlich Drogenhandel:

Die Schweiz verfügt über eine stabile Anzahl von rund 30'000 Heroin- und Kokainabhängigen und somit über ein lukrativen Markt. Nachfragungen auf dem Zürcher Drogen-Markt ergeben gegenwärtig Preise von 75 Franken für das Gramm und rund 40'000 Franken für das Kilo. Aufgrund dieser Zahlen sind Hochrechnungen möglich. Zweifellos handelt es sich um einen Umsatz von mindestens einigen hundert Millionen Franken pro Jahr, wahrscheinlich aber über eine Milliarden Franken lediglich für Heroin.

Im Jahre 2001 erfolgten in der Schweiz 3'021 Verzeigungen wegen Handels mit Betäubungsmittel, davon entfallen 78 Prozent auf ausländische Täter und Täterinnen. Auch der Betäubungsmittelschmuggel wird wie der Handel von Ausländern mit 74 Prozent der Verzeigungen dominiert. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation spielt der Kanton Zürich eine übergeordnete Rolle und eignet sich deshalb gut für statistische Auslegungen. Von den 2'247 (im Jahr 2001) wegen Betäubungsmittelhandel im Kanton Zürich ermittelten Tatverdächtigen sind 23,7 Prozent im Asylantenstatus und 23,4 Prozent mit ungesetzlichem Aufenthalt, welche keine Aufenthaltsbewilligung haben oder mit einer Einreisesperre belegt sind.

Der Heroinhandel wird fast vollständig von kriminellen Organisationen mit terroristischem Hintergrund kontrolliert. Die Paten des Drogenhandels sitzen im Heimatland oder in einem unserer Nachbarländer. Von dort aus schleusen sie gezielt junge Emigranten und Asylsuchende für den Drogenhandel in die Schweiz ein. Dabei werden die schweizerischen Asylunterkünfte als eigentliche Austauschbasen der Dealer benutzt.

In der Schweiz werden für Drogen insgesamt pro Jahr rund drei Milliarden Franken umgesetzt. Natürlich gibt es auch hier den Einzeltäter, der sich in Bangkok oder irgendwo im Osten oder Westen Drogen besorgt und diese unter Alleinherrschaft verteilt. Der weitaus grösste Teil der Drogen, dieser drei Milliarden, wird jedoch unter Androhung von Gewalt durch organisierte Gruppen beschafft und verteilt.

2.3 Das Zusammenwirkens von OK und TE

Terrorismus wird seit über sechzig Jahren definiert und bekämpft, nicht gleichermassen lange, aber in den letzten Jahren doch ebenso umfassend die Organisierten Kriminalität (OK). Eine neue Dimension liegt in der Tatsache, dass Terroristen für ihre Ziele die gleichen Strukturen und Arbeitsweisen wie die Mafiabosse der OK benutzten oder dass diese sogar eng zusammenarbeiten. Terrororganisationen und kriminelle Vereinigungen wenden hinsichtlich Verbrechen weitgehend die gleichen Methoden an, ohne jedoch dasselbe Ziel zu verfolgen. Terroristen benötigen ihren finanziellen Bedarf, um damit ihren Kampf zur Zerstörung des Staates zu finanzieren. Die Vertreter der OK hingegen unterhöhlen die Staatsgewalt, um ihre Macht und ihren Reichtum zu mehren. Aus grundsätzlichen Gründen behandelten Polizei sowie Justiz den Terrorismus und die OK bisher vorwiegend als zwei getrennte Bereiche der Kriminalität. Diese strikte Zweiteilung in Terrorismus und Organisierte Kriminalität ist nicht mehr adäquat. Terroristen als auch kriminelle Syndikate benötigen Geld, falsche Dokumente, Waffen usw. Solche werden immer öfters über die gleichen Tatbestände, kriminellen Netzwerke und durch die entsprechenden Geldgeber sowie ähnliche politischen Strukturen beschafft. Zudem benötigen Terroristen sowie die Vertreter der OK gleichermassen einen funktionierenden Nachrichtendienst und sachdienliche Helfershelfer sowie Bürger und Politiker, die mit ihnen sympathisieren und die Kriminellen wenn nötig beschützen.

Grundsätzlich versuchen Terrororganisationen auf alle Arten an Geld zu kommen, legale und illegale. Tendenziell lässt sich aber feststellen, dass sich islamitische Terrororganisationen wie zum Beispiel die Al Qaida vor allem über staatliche Finanzen, Privatvermögen, Non-Profit-Organisationen oder Spenden und nur selten über OK finanzieren. Die so genannt klassischen Terrororganisationen vom separatistischen oder marxistisch-leninistischen Typ, wie etwa der Kongress für Freiheit und Demokratie in Kurdistan (KADEK, frühere PKK), die LTTE, die UÇK oder die ETA, nutzen legale Quellen, wie Geldsammelaktionen, Verkauf von Zeitschriften, aber eben besonders auch die Aktivitäten der organisierten Kriminalität.

Im Falle der KADEK wird der Finanzbedarf auf rund 150 Millionen Euro geschätzt. Ein grosser Teil des Geldes wird über mehr oder weniger freiwillige Spenden sichergestellt. Die KADEK betrieb nicht nur einen extrem gewalttätigen Terrorismus, sondern sie bearbeitete in den letzten Jahren immer wieder auch verschiedene Erscheinungsformen der OK. So verkaufte die KADEK auf dem europäischen Markt Drogen, trieb Schutzgelder ein und ging dem organisierten Einbruchdiebstahl nach. Da die KADEK (PKK) in einigen europäischen Ländern seit Jahren verboten ist, sind Basel und Zürich für die KADEK ein wichtiger Logistik- und Aktionsraum. Die KADEK beinhaltet ein hohe Konfliktpotential das jeder Zeit in der Schweiz zu schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen führen kann. Die KADEK-Schweiz kann auf rund 3'500 treue Sympathisanten zählen, die für Unterstützungs- und Protestaktionen in geeigneter Form in kurzer Zeit zu aktivieren sind.

Im Raum Zürich sind aber auch andere terroristische Gruppen mit Schutzgelderpressungen, organisiertem Diebstahl, Waffenhandel und anderem mehr beschäftigt. Zu nennen wären hier etwa die Befreiungsarmee Kosovos (UCK) und andere albanische Gruppierungen. Auch die Vertreter der srilankischen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) haben in Zürich Standbeine und sind auf vielfältige kriminelle Weise aktiv. Die kolumbianische Revolutionary Armed Forces (FARC) ist besonders im Kokainhandel und im Geschäft verschiedener Erpressungen aktiv, sie verfügt in Zürich über Kontakte, die bis ins Innere von politischen Parteien reichen.

3. Beurteilung und Aussichten

Hinsichtlich Terrorismus ist die Schweiz hauptsächlich Logistikraum, sie kann aber schnell auch zum Aktionsfeld werden. Ein Anschlag einer islamitischen Gruppe in der Schweiz ist jederzeit möglich. Ich betone nicht, es gibt Fakten für einen Anschlag. Ich sage: Es gibt keine Fakten, die beispielsweise gegen einen Anschlag auf das Bankenzentrum Zürich sprechen. Die Schweizer Behörden sollten sich auf Szenarien wie Autobombe am Paradeplatz, Besetzung eines Kernkraftwerkes, Erpressung durch mögliche Trinkwasservergiftungen, umfassende Besetzung des Bundeshauses mit Geiselnahme der Bundesräte usw. vorbereiten.

Den theoretischen Ansatz der Wissenschaftler des Nationalen Forschungsprojekts 40 kann ich nicht teilen und bin der Meinung, dass wir in der Schweiz einen ganz besonders hohen Standard der Organisierten Kriminalität haben, der sogar in fast allen Fällen auf die besonderen Umstände der Schweiz Rücksicht nimmt und deshalb im Vergleich mit anderen Ländern weitgehend Gewaltfrei ist. Damit ist gemeint, dass besondere Umstände, die in anderen Ländern mit Gewalt (Mord usw.) gelöst werden, in der Schweiz subtil über andere Massnahmen erledigt werden (Prozesse, Diffamierungen, Arbeitslosigkeit usw.).

Natürlich stehen nicht alle Organisationen der OK und des Terrorismus in einer symbiotische Verbindung. So ist beispielsweise die Al Qaida nur am Rande mit Organisierter Kriminalität verbunden. Andere Organisationen wiederum sind vollständig symbiotisch aktiv, so beispielsweise die albanische Mafia und einige regionale Terrororganisationen. Das gleiche gilt auch für die kolumbische Mafia und einzelne terroristische Gruppierungen. In kriminelle Belange sind auch die KADEK, die ETA, die IRA und andere Organisationen verwickelt. Die Verschmelzung von Formen des Terrorismus und der OK sind Tatsache und die Aktivitäten sind auch auf dem Territorium der Schweiz feststellbar.

(*) Hans-Ulrich Helfer, geboren 21. April 1951, ist Geschäftsführer der in Zürich ansässigen Berater- und Verlagsfirma Presdok AG. Von 1972 bis 1983 arbeitete er elf Jahr als Beamter im Polizeidienst, mehrere Jahre davon als Spezialist für Terrorismus im Schweizer Staatsschutz. Seit 1984 ist er insbesondere als Sicherheitsberater für Konzernen und Persönlichkeiten tätig. Als Politiker (fünf Jahre Mitglied des Gemeinderates von Zürich) trat er immer wieder als engagierter Kämpfer gegen Korruption auf. Insgesamt hat er rund fünfzehn Bücher und unzählige Fachartikel verfasst. Zum Thema Terrorismus verfasste er bereit 1997 namhafte Beiträge zu einem künftigen Superterrorismus, was durch die Vorfälle vom 11. September 2001 vollumfänglich bestätigt wurde. Kommentare und Rückfragen an den Autor über helfer@presdok.ch. 8057 Zürich, CH.

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